Thüringer Kriminalstatistik 2025: Anstieg bei sexuellen Gewalttaten trotz gesunkener Gesamtzahlen
Die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 in Thüringen offenbart eine besorgniserregende Entwicklung: Während die Gesamtzahl der registrierten Straftaten deutlich zurückging, verzeichneten die Behörden einen Anstieg bei Delikten im Bereich der sexuellen Gewalt. Innenminister Georg Maier (SPD) und der neue Präsident des Landeskriminalamts, Dirk Löther, präsentierten die Daten in Erfurt und äußerten sich sowohl besorgt als auch hoffnungsvoll.
Besorgniserregende Zunahme bei sexuellen Übergriffen
Insgesamt registrierte die Thüringer Polizei im vergangenen Jahr 3.602 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Dies stellt einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr dar, als 3.479 solcher Fälle erfasst wurden. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei schweren Delikten: Die Zahl der Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und besonders schweren sexuellen Übergriffen stieg um 43 auf insgesamt 180 an.
Ebenfalls deutlich zugenommen hat der sexuelle Missbrauch von Kindern. Hier verzeichnete die Statistik 543 Fälle, was einem Plus von 100 gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Behörden wiesen zudem darauf hin, dass das Internet und soziale Medien im Bereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung eine immer größere Rolle spielen.
Innenminister Maier: Öffentliche Debatte verkleinert Dunkelfeld
„Das Thema steht gerade jetzt natürlich auch im Blickpunkt der Öffentlichkeit und das ist auch gut so“, betonte Innenminister Georg Maier. Er sieht in der intensiven gesellschaftlichen Diskussion über sexuelle Gewalt eine positive Entwicklung: „Das führt auch dazu, dass sich das Dunkelfeld verkleinert.“
Maier zufolge ermutigen solche Debatten mehr Frauen als in der Vergangenheit, Übergriffe anzuzeigen – auch in sensiblen Bereichen wie Vergewaltigung in der Ehe. Der Innenminister kündigte zudem an, das Polizeiaufgabengesetz neu zu gestalten, um insbesondere Opfer häuslicher Gewalt besser zu schützen. Er warb für den Einsatz elektronischer Fußfesseln zur Aufenthaltsüberwachung entsprechender Straftäter.
Gewaltkriminalität insgesamt angestiegen
Im Bereich der Gewaltkriminalität verzeichnete Thüringen einen Anstieg um 220 auf insgesamt 5.198 registrierte Fälle. LKA-Präsident Dirk Löther wies darauf hin, dass gefährliche und schwere Körperverletzungen um fünf Prozent zugenommen hätten. Diese Form der Kriminalität sei häufig nicht vorhersehbar und weise eine hohe Dynamik auf.
Die Zahl der Straftaten gegen das Leben bewegte sich mit 50 Fällen auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr. Die Polizei ermittelte in diesem Bereich unter anderem wegen vier Morden, fünf Mordversuchen, sieben Fällen von Totschlag, 16 Totschlagsversuchen und 16 Fällen von fahrlässiger Tötung.
Gesamtzahl der Straftaten deutlich gesunken
Trotz der besorgniserregenden Entwicklungen in einzelnen Bereichen ging die Gesamtzahl der erfassten Straftaten in Thüringen 2025 deutlich zurück. Die Polizei registrierte insgesamt 145.167 Straftaten – etwa 11.000 weniger als im Vorjahr 2024. Die Aufklärungsquote blieb mit 61,2 Prozent stabil auf dem Niveau des Vorjahres (60,9 Prozent).
Rückgänge bei Eigentumsdelikten und Drogenkriminalität
Besonders deutlich waren die Rückgänge bei Ladendiebstählen und Wohnungseinbrüchen. Bei Wohnungseinbrüchen sanken die Fallzahlen von 1.053 auf 975, bei Ladendiebstahl von 43.037 auf 39.342 Fälle. Innenminister Maier führt diese positive Entwicklung auf die wirksame Arbeit der Polizei zurück.
Ebenfalls rückläufig war die Rauschgiftkriminalität. Hier wurden 2025 insgesamt 5.650 Fälle registriert – 2.797 weniger als im Vorjahr. Maier sieht einen Zusammenhang mit der Legalisierung von Cannabis. Allerdings verzeichnete eine Sonderauswertung 77 Todesfälle im Zusammenhang mit Rauschgift, darunter 15 Frauen und 62 Männer. Sieben der Verstorbenen waren noch keine 20 Jahre alt.
Tatverdächtige und Opfer: Demografische Entwicklungen
Entsprechend der gesunkenen Gesamtzahl der Straftaten ging auch die Zahl der Tatverdächtigen von 57.337 auf 54.123 Personen zurück. Etwa ein Viertel von ihnen waren keine deutschen Staatsbürger. Innenminister Maier betonte, dass unter den tatverdächtigen Ausländern in Thüringen vor allem junge Männer vertreten seien – eine Altersgruppe, die auch unter deutschen Tatverdächtigen vergleichsweise häufig vorkomme.
Unter den Tatverdächtigen befanden sich 2.826 Kinder, 4.628 Jugendliche und 3.708 Heranwachsende. Obwohl die Zahl der Straftaten insgesamt zurückging, stieg die Zahl der Opfer um 77 auf 36.718 an. Besonders betroffen waren Kinder, Jugendliche und Heranwachsende.
Die Thüringer Kriminalstatistik 2025 zeigt somit ein gemischtes Bild: Während die Polizei Erfolge bei der Bekämpfung der Gesamtkriminalität verzeichnen kann, bleiben bestimmte Bereiche – insbesondere sexuelle Gewalt – eine große Herausforderung für die Sicherheitsbehörden.



