Schwerin – Was als medienwirksames Rettungsdrama um Buckelwal „Timmy“ begann, endet nun als Politik-Krimi im Schweriner Landtag. Nachdem der Kontakt zum Wal endgültig abgerissen ist, steht fest: Das Projekt „Rettung“ ist gescheitert. Doch für Umweltminister Till Backhaus (SPD) fängt das eigentliche Problem damit erst an. Die Opposition wirft ihm und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (51, SPD) vor, für eine PR-Show mehrere Gesetze gebrochen zu haben. Streit um den Wal – und im September sind Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern.
Schwere Vorwürfe der Opposition
Der CDU-Landesvorsitzende Daniel Peters (44) erhebt gegenüber BILD drei massive juristische Vorwürfe gegen die Landesregierung:
EU-Rechtsbruch
„Für den Wal wurde in einem ökologisch hochsensiblen Gebiet gebaggert. Ein klarer Verstoß gegen die Naturschutzauflagen der Europäischen Union.“
Tierquälerei beim Transport
„Der Wal wurde 600 Kilometer in einem Stahlkäfig über die Ostsee gezogen und dabei schwer verletzt. Der normale Bürger würde für eine solche Tierquälerei ins Gefängnis kommen.“
Amtsmissbrauch für Wahlkampf
„Frau Schwesig hat den Wal Timmy für ihren Wahlkampf missbraucht und ihren Umweltminister Backhaus mit einem großen PR-Theater beauftragt.“
Alle Experten hätten, so behauptet Peters, gesagt: „Lasst den Wal in der Bucht bei uns liegen, er ist ja nicht ohne Grund in flaches Wasser gekommen.“
Der Wal wurde in einem gefluteten Lastschiff in die Nordsee transportiert und dort freigelassen. Seitdem ist er verschwunden.
Regierung verteidigt Aktion
Während das Ministerium die Aktion weiterhin als „alternativlosen Rettungsversuch“ verteidigt, ist für die Opposition klar: Im Meer ist nicht nur ein Wal verschwunden, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Umweltministers. Peters: „Wer das Gesetz für ein paar schöne Bilder opfert, hat in einem Ministeramt nichts verloren.“
Die Landesregierung hat eine nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Tierart einer Gruppe von Privatleuten für ein Experiment überlassen. Der normale Bürger würde eine hohe Strafe erhalten.
Die Affäre um den verunglückten Wal könnte im bevorstehenden Landtagswahlkampf eine zentrale Rolle spielen. Die SPD in Mecklenburg-Vorpommern steht unter Druck, die Glaubwürdigkeit ihrer Spitzenpolitiker zu verteidigen.



