„Das Unheil schläft nicht“: Ex-Polizist gibt klare Tipps gegen Enkeltrick und Schockanrufe
Großes Interesse für ein brisantes Thema: In der vergangenen Woche ging es im Demminer Impulsbüro um Tricks und Kniffe, mit denen Kriminelle versuchen, Senioren um ihr Vermögen zu bringen. Eingeladen hatte Sahra Schramm den vor kurzem pensionierten Polizeihauptkommissar Torsten Dowe, der aus seiner langjährigen Praxis berichtete.
Vom Handtaschendiebstahl bis zum Schockanruf
In der Digitalsprechstunde gab Torsten Dowe den sehr interessierten Senioren Ratschläge, wie sie Betrugsversuche erkennen und einem Schaden vorbeugen können. „Das Unheil schläft nicht“, merkte der ehemalige Polizist an. Rein statistisch betrachtet, sei Mecklenburg-Vorpommern ein ziemlich sicheres Bundesland, mit einer seit zehn Jahren gleichbleibenden Anzahl von Strafanzeigen. Leider, so Torsten Dowe, würden Betrügereien aber gar nicht selten aus Scham und eigener Angst nicht zur Anzeige gebracht.
Und obwohl die Aufklärungsrate durch die Polizei relativ hoch sei, garantiere das nicht, dass den Delinquenten das Handwerk gelegt wurde. Denn die Anklage und Bestrafung sei Angelegenheit von Staatsanwaltschaft und Gerichten.
Codierung schützt vor Fahrraddiebstahl
Zum Thema Diebstahl fragte eine Besucherin, ob die Codierung von Fahrrädern tatsächlich vor Diebstählen schützt. „Eine Codierung macht den Diebstahl schwerer“, erklärte Torsten Dowe. „Die Erfahrung hat gezeigt: Ein codiertes Fahrrad bleibt stehen, ein uncodiertes ist schneller weg.“ Das Unkenntlichmachen der Codierung sei für die Täter mit einem hohen Aufwand verbunden.
Anhand von Filmaufnahmen erläuterte der Ex-Polizist dann, wie Handtaschendiebstähle vor sich gehen. „Bitte tragen sie ihre Handtaschen in Supermärkten, Geldinstituten und auch auf Friedhöfen über den Kopf geschultert am Vorderkörper und bringen sie jeden Diebstahlversuch zur Anzeige“, sagte der Präventionsberater. Im öffentlichen Bereich sei ein Mini-Alarmsender, den es bei Schlüsseldiensten gibt, sehr zu empfehlen, meinte Torsten Dowe und ließ dieses kleine Gerät zur Demonstration aufheulen.
Ein Täter lenkt ab, der andere klaut die Brieftasche
Im Film zeigte er, wie Senioren gezielt angesprochen und abgelenkt werden, um sie zu bestehlen. So heiße es beispielsweise im Supermarkt: „Ich habe meine Lesebrille nicht dabei, können Sie mir diese Beschreibung vorlesen?“ Senioren seien gutmütig, sie helfen, und hinter ihrem Rücken wird ihnen derweil von einem zweiten Ganoven das Portemonnaie geklaut. „Es gibt nichts was es nicht gibt“, warnte der langjährige Polizist, und regte an, Wichtiges direkt am Körper in einer gut gesicherten kleinen Dokumententasche mit sich zu führen.
Zwei einfache Regeln gegen den Enkeltrick
Eine ganz üble Masche, um an Geld zu kommen, ist der Enkeltrick. Der Einfallsreichtum der Verbrecher kennt dabei keine Grenzen, betonte Torsten Dowe. Und er nannte zwei ganz einfache Regeln, mit denen man sie zuverlässig stoppen kann. Sein erster Hinweis: „Die Telefonnummern Ihrer Enkel, Verwandten und Freunde sind ihnen bekannt“, sagte der einstige Polizist. Und niemand solle sich davon abbringen lassen: „Gibt sich jemand als Ihr Enkel aus und braucht angeblich Geld, so rufen Sie unter der vertrauten Nummer zurück.“
Hinweis Nummer zwei: „Die Logik besagt, wenn ich ein reines Gewissen habe, kann ich persönlich vorbeikommen. Die Masche mit dem Geldboten, der als Abholer kommt, ist stets ein Zeichen, dass etwas faul ist“, so der Polizist. Und deshalb gelte: Hilfe gibt es nur „von Angesicht zu Angesicht.“ Bei Anrufen mit unbekannten Nummern sollten Senioren am besten gleich auflegen, und nie den Namen eines Familienmitgliedes von sich aus ins Spiel bringen.
Große Gefahr durch Schockanrufe
Eine große Gefahr seien Schockanrufe, bei denen Unfälle, schwere Erkrankungen oder Straftaten vorgetäuscht und die Angerufenen damit unter Druck gesetzt werden. „Die Namen von Angehörigen sammeln sich die Verbrecher beispielsweise aus Traueranzeigen und versuchen damit, Authenzität vorzutäuschen“, so Torsten Dowe. Sein Tag: „Geben Sie am Telefon keinesfalls Auskünfte zu persönlichen Verhältnissen oder Bargeldbeständen im eigenen Haushalt!“
Kein Richter oder Staatsanwalt rufe persönlich an, betonte der pensionierte Polizist. Auch bei einem Schockanruf sei eine Rückfrage hilfreich: „Geben sich die Anrufer als Polizisten oder Behördenmitarbeiter aus, so fragen Sie bei den nächstgelegenen Dienststellen nach.“ Zum Beispiel beim Polizeihauptrevier Demmin, Tel. 03998 2540.
Polizei steht für Sicherheit der Bürger
Torsten Dowe unterstrich noch einmal, dass man sich nicht auf ein solches Gespräch einlassen und im Zweifelsfall den Weg zum nächsten Polizeirevier nicht scheuen sollte: „Wir als Polizei sind für unsere Bürger da, und ihre Sicherheit steht an erster Stelle.“ Sahra Schramm ergänzte, dass auch im Impuls-Büro jede Hilfe geleistet werde, um Online-Meldungen an die Polizei zu erstellen und den Umgang mit den teils komplizierten Internetseiten richtig zu handhaben.



