Umfrage zur Nazi-Zeit: Brauchen wir noch eine deutsche Erinnerungskultur?
Wie wichtig ist es, auch 80 Jahre nach den Gräueltaten der NS-Zeit in Deutschland, die Erinnerung weiter wachzuhalten? Wir haben Menschen auf der Straße in Berlin dazu befragt. Von Thies Schnack und Marie Steffens, 14.05.2026.
Die Meinungen der Befragten
Ein Befragter betonte: „Wie heißt es so schön? Wer die Vergangenheit vergisst, der ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Eine weitere Person erklärte: „Der Kampf gegen Antisemitismus muss auch von uns allen sein. Egal, ob wir Mohammed heißen oder Katrin oder Hans-Günther. Dass jeder Bürger, jede Bürgerin, hier in diesem Land, seine Haltung dazu zeigen muss.“
Ein anderer Teilnehmer verwies auf die aktuelle politische Lage: „Die Tatsache, dass also jetzt eine Partei insbesondere einen relativ starken Zuspruch erhält, verstärkt das noch mal.“ Eine Frau sagte: „Ich will mir die nicht auf meine Schulter legen und meinen Enkeln auch nicht. Aber wir müssen immer wieder erinnern. Es ist eine industrielle Vernichtung der Juden gewesen.“
Ein weiterer Befragter unterstrich: „Nötig ist die Erinnerungskultur allemal und wahrscheinlich mehr denn je. Also um demokratische Rechte und unser System, Menschenrechte, Völkerrecht, weiter zu verteidigen, müssen wir uns daran erinnern, was passiert, wenn es schief läuft.“ Abschließend forderte jemand: „Erinnerungskultur muss Pflicht sein, und zwar auch überall. Nicht nur in Berlin, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.“
Hintergrund und weitere Informationen
Die Umfrage fand im Vorfeld des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs statt. Ein interaktives Recherche-Tool zur Nazivergangenheit ermöglicht es, herauszufinden, was die eigene Familie unter Hitler getan hat. Ein Podcast zur Nazi-Kartei mit Susmita Arp, Eva-Maria Schnurr und Regina Steffens beleuchtet Familiengeheimnisse aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein Essay von Susanne Beyer beschäftigt sich mit der Geschichte der NSDAP von 1920 bis 1924.



