Vater von Täter trägt verhöhnendes T-Shirt bei Urteilsverkündung im Mordprozess
Im Landgericht Meiningen in Thüringen hat ein besonders geschmackloser Vorfall während der Urteilsverkündung im Mordprozess um den 23-jährigen Miguel A. für Entsetzen gesorgt. Der Vater eines der Haupttäter betrat den Gerichtssaal mit einem T-Shirt, auf dem der provokante Spruch „Jage nicht, was du nicht töten kannst“ zu lesen war. Dieser Akt der Verhöhnung überschattete fast das Urteil gegen die vier Jugendlichen, die den jungen Mann zu Tode gehetzt haben sollen.
Brutale Tat und pietätlose Geste
Die vier Angeklagten – zwei junge Männer im Alter von 19 und 20 Jahren sowie zwei Mädchen von 16 und 17 Jahren – sollen Miguel A. Ende Juni 2025 in Zella-Mehlis durch ein Wohngebiet gejagt, mit einem Gürtel geschlagen und mit Tierabwehrspray attackiert haben. Anschließend ließen sie ihn nur mit einer Unterhose bekleidet in einem Bachlauf liegen, wo er zwei Tage später tot aufgefunden wurde. Die Polizei wurde von den Tätern über seinen Aufenthaltsort im Unklaren gelassen.
Der Prozess, der seit Anfang Januar unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, endete am Donnerstag mit der Verkündung der Urteile. Die Opferfamilie war zutiefst erschüttert, als der Vater des 19-jährigen Angeklagten Pierre P. mit dem skandalösen T-Shirt erschien. Auf Nachfrage wollte er sein Verhalten nicht erläutern. Miguels Tante Silvana B. zeigte sich fassungslos: „Da fehlen mir die Worte. Das ist provokant, das geht gar nicht.“
Urteile nach Jugendstrafrecht
Das Gericht verurteilte die vier Jugendlichen nach Jugendstrafrecht. Die Haftstrafen fallen wie folgt aus:
- Leon B. (20) erhielt viereinhalb Jahre Haft.
- Pierre P. (19) wurde zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.
- Die beiden minderjährigen Mädchen erhielten Bewährungsstrafen von einem Jahr acht Monaten beziehungsweise einem Jahr sechs Monaten.
Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Für die Familie des Opfers wiegt die Ungerechtigkeit jedoch schwer. Silvana B. sagte unter Tränen: „Mit Miguel ist ein Stück meines eigenen Lebens gestorben, auf ewig. Gerechtigkeit für so eine schreckliche Tat gibt es nicht. Diese Urteile können das Unrecht an Miguel nicht aufwiegen.“
Ungeklärtes Warum
Die wichtigste Frage bleibt für die Hinterbliebenen unbeantwortet: Warum musste Miguel so grausam sterben? Auf seinem Grabstein auf dem Friedhof in Zella-Mehlis wird ab Ende April neben einem Foto die Frage „Warum …?“ stehen. Dieser tragische Fall zeigt nicht nur die Brutalität der Tat, sondern auch die tiefen Wunden, die durch solche Verbrechen und respektlose Handlungen wie das T-Shirt im Gerichtssaal entstehen.



