Koblenz: Verdächtiger im 30 Jahre alten Mordfall Amy Lopez schweigt zu Vorwürfen
Verdächtiger im Mordfall Amy Lopez schweigt nach Festnahme

Drei Jahrzehnte ungelöst: Festnahme im Mordfall der US-Studentin Amy Lopez

Mehr als dreißig Jahre nach dem gewaltsamen Tod der US-amerikanischen Studentin Amy Lopez hat die Polizei in Koblenz einen Verdächtigen festgenommen. Der mittlerweile 81 Jahre alte Mann wurde vor wenigen Tagen in einem Seniorenheim in Koblenz in Gewahrsam genommen und sitzt nun in Untersuchungshaft. Die Ermittler der Staatsanwaltschaft Koblenz gehen davon aus, dass der Tatverdächtige aus sexuellen Motiven gehandelt hat.

Grausame Tatdetails und DNA-Spuren führen zum Verdächtigen

Die damals 24-jährige Amy Lopez wurde am 26. September 1994 unterhalb der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz ermordet aufgefunden. Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler von der Staatsanwaltschaft Koblenz schilderte die grausamen Umstände: "Das Opfer war nach der Tat im unteren Körperbereich nicht mehr bekleidet. Der Slip fehlte." Die junge Frau sei sexuell missbraucht, stranguliert und mit einem Stein gegen den Kopf geschlagen worden. Mehrere Messerstiche hätten schließlich zum Tod geführt.

Die Ermittler sehen in dem Fall mindestens zwei Mordmerkmale gegeben: Heimtücke und Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebs. Jahrzehntelang fehlte jede Spur zu einem Täter, bis 2024 bei der Überarbeitung des Falls mit modernen Methoden männliche DNA-Spuren an Asservaten auftauchten. Die entscheidende Spur wurde an der Innenseite der Jeans des Opfers gefunden und führte schließlich zum jetzt festgenommenen 81-Jährigen.

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Verdächtiger mit Vorstrafen schweigt zu Vorwürfen

Der festgenommene Mann ist den Ermittlern bereits aus früheren Straftaten bekannt. Mannweiler bestätigte, dass der Verdächtige bereits strafrechtlich einschlägig in Erscheinung getreten sei und längere Freiheitsstrafen verbüßt habe. Zur Tatzeit habe er in der Region um Koblenz gelebt und einen großen Teil seines Lebens dort verbracht.

Bislang hat sich der 81-Jährige nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäußert. "Er hat sich überhaupt nicht erklärt", so Mannweiler. Allerdings habe der Verdächtige die Tat bei seiner Festnahme auch nicht spontan bestritten. Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, die DNA-Beweise müssen weiter ausgewertet werden.

Tatort an historischem Lost Place

Die Leiche von Amy Lopez wurde am sogenannten General-von-Aster-Zimmer gefunden, einem früheren Arbeitszimmer des preußischen Generals und Festungsbaumeisters Ernst Ludwig von Aster. Dieser historische Lost Place befindet sich an einem Pfad auf halber Höhe zum Aufstieg zur Festung Ehrenbreitstein. Wie die Studentin genau zu diesem abgelegenen Tatort kam, bleibt bis heute ungeklärt.

Die damals 24-jährige US-Amerikanerin war als Touristin nach Deutschland gekommen und hatte sich mit dem Bus auf den Weg zu einer Besichtigung der Festung Ehrenbreitstein gemacht. Dort kam sie jedoch nie an. Kurz nach der Tat fanden spielende Kinder ihre Leiche.

Cold-Case-Ermittlungen gewinnen an Bedeutung

Der Fall Amy Lopez gehört zu mehreren Tausend ungeklärten Altfällen in Deutschland. Immer mehr Bundesländer richten deshalb spezielle Cold-Case-Units ein, die mit modernen Methoden jahrzehntealte Kapitalverbrechen neu aufrollen. Die Arbeit dieser Spezialermittler gestaltet sich oft mühsam, wie aktuelle Recherchen zeigen.

Der Vater des Opfers lebt noch in den USA. Die Ermittler haben nach der Festnahme des 81-Jährigen über Videokonferenz Kontakt mit ihm aufgenommen. Für die Angehörigen bedeutet die nun mögliche Aufklärung des Falls nach mehr als drei Jahrzehnten einen wichtigen Schritt in der Aufarbeitung der tragischen Ereignisse.

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