Vergewaltigungsvorwürfe in Berlin-Neukölln: CDU fordert umfassende Akteneinsicht und kritisiert Jugendamt
Vergewaltigungsvorwürfe in Neukölln: CDU will Akteneinsicht

Vergewaltigungsvorwürfe in Berlin-Neukölln: CDU fordert umfassende Akteneinsicht und kritisiert Jugendamt

Nach schweren Vergewaltigungsvorwürfen in einem Jugendzentrum im Berliner Bezirk Neukölln bleibt die Einrichtung vorübergehend geschlossen. Die Berliner CDU-Fraktion drängt nun auf umfassende Akteneinsicht und übt scharfe Kritik am Verhalten des zuständigen Jugendamtes. Die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, Lilia Usik, erklärte, dass die wochenlange Verschleierung von Vorwürfen sexueller Übergriffe und einer Vergewaltigung ernsthafte Fragen zur Arbeitsweise des Jugend- und Bezirksamts aufwerfe.

Kritik an mangelnder Transparenz und Aufklärung

„Wir werden als Abgeordnete der CDU-Fraktion zu diesem ungeheuerlichen Vorgang jetzt Akteneinsichtnahme beantragen“, betonte Usik. Sie kritisierte die zuständige Jugendstadträtin scharf und warf ihr mangelnden Aufklärungswillen vor. „Wer auf diese Weise Täter schützt, ist Teil des Problems und völlig fehl am Platz“, so die CDU-Politikerin. Die Jugendstadträtin habe weder die Öffentlichkeit noch die Polizei rechtzeitig über die Vorfälle informiert.

Außerdem forderte Usik Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) auf, endlich zu handeln und eine schonungslose Aufklärung sicherzustellen. „Warum wurden in eklatanter Weise Schutzvorschriften missachtet?“, fragte sie und verwies auf die schwerwiegenden Vorwürfe.

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Forderungen nach personellen Konsequenzen

Bildungs- und Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hatte bereits am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landesparlaments erklärt, dass die Leiterin und Mitarbeiter des Jugendamtes aus ihrer Sicht bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge freigestellt werden müssten. Sie forderte Neuköllns Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) auf, entsprechende Maßnahmen zu veranlassen.

Nagel wies diese Forderung jedoch zurück und argumentierte, dass für disziplinarrechtliche Verfahren hohe Hürden bestünden. „Eine Jugendamtsdirektorin ist keine politische Beamtin in einem Senatsleitungsstab, sondern ordentliche Beamtin im bezirklichen Regelbetrieb“, erklärte sie dem „Tagesspiegel“-Newsletter „Checkpoint“. Sie betonte, dass sie sich strikt an das Beamtenrecht halte, das keine willkürlichen Freistellungen vorsehe, aber bei entsprechenden Anhaltspunkten personelle Konsequenzen ziehen werde.

Hintergrund der Vorwürfe und aktuelle Ermittlungen

Der Jugendclub ist seit Freitag vergangener Woche nach Angaben des Bezirks geschlossen. Dort soll eine 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Die Polizei erfuhr erst am 23. Januar durch die Anzeige des Vaters von den Vorfällen. Weder die Einrichtung noch das zuständige Jugendamt des Bezirks Neukölln hatten zunächst Anzeige erstattet.

Inzwischen ermitteln sowohl das Landeskriminalamt als auch die Staatsanwaltschaft Berlin zu dem Vorfall. Nach Angaben des Bezirks wurde das Jugendamt am 28. Januar über die Vorfälle informiert, während die zuständige Bezirksstadträtin erst am 2. März davon erfuhr.

Nach Aussagen von Jugendstadträtin Nagel hatte das Jugendamt zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn das Einverständnis des Opfers vorliege. Jugendstaatssekretär Falko Liecke äußerte in der „Bild“-Zeitung den Verdacht, dass der Vorfall von Betreuern möglicherweise nicht gemeldet worden sei, um die mutmaßlich muslimischen Täter nicht zu stigmatisieren.

Die CDU-Fraktion besteht weiterhin auf einer umfassenden Aufklärung des Falls und kritisiert das als unzureichend empfundene Vorgehen der zuständigen Behörden. Die politischen Auseinandersetzungen um die Verantwortlichkeiten und notwendigen Konsequenzen dürften in den kommenden Wochen weiter anhalten.

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