Magdeburger Weihnachtsmarkt-Anschlag: Psychische Folgen halten an
Betroffene des Anschlags auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt leiden auch mehr als ein Jahr nach der Tat unter schwerwiegenden psychischen Folgen. Ein psychiatrischer Sachverständiger hat dem Landgericht Magdeburg erste Gutachten vorgelegt, die Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) bei mehreren Personen dokumentieren.
Körperliche Symptome und Alltagsbeeinträchtigungen
Die festgestellten Belastungsstörungen äußern sich nicht nur emotional, sondern haben auch deutliche körperliche Auswirkungen. Betroffene berichten von anhaltendem Herzrasen, schweren Schlaf- und Einschlafstörungen sowie einer erhöhten Schreckhaftigkeit. Diese Symptome gehen weit über die unmittelbaren Reaktionen wie Herzklopfen, Angst und Zittern hinaus, die direkt nach dem Ereignis auftraten.
Konkrete Fallbeispiele zeigen das Ausmaß der Beeinträchtigungen:
- Eine junge Ingenieurin leidet bis heute unter extremer Geräuschempfindlichkeit, reagiert panisch auf bestimmte Reize, kann nicht allein schlafen und hat ein ausgeprägtes Kontrollbedürfnis entwickelt.
- Eine andere Betroffene zeigt deutliches Vermeidungsverhalten: Sie meidet öffentliche Plätze, was ihre berufliche Tätigkeit an einer Förderschule erheblich einschränkt. Im Alltag wird sie durch Geräusche getriggert und erlebt Panikreaktionen mit Schwitzen und Herzrasen.
- Eine weitere Frau leidet unter anhaltenden Ängsten und Schlafstörungen. Zusätzlich belastet sie die Tatsache, dass ihr Ehemann seit dem Anschlag pflegebedürftig geworden ist.
Gerichtliche Aufarbeitung und rechtliche Bewertung
In den vergangenen Wochen hat das Landgericht Magdeburg eine Reihe von Betroffenen angehört, die bei dem Anschlag zwar keine körperlichen Verletzungen erlitten, aber unter den psychischen Folgen leiden. Das Gericht geht mit Unterstützung der Gutachter der entscheidenden Frage nach, inwieweit diese psychischen Folgen körperliche Auswirkungen hatten und ob dies juristisch als Körperverletzung zu werten ist.
Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen geführt. Die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg wirft dem damals 50-jährigen Taleb Al-Abdulmohsen vor, am 20. Dezember 2024 einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter über den Weihnachtsmarkt gelenkt zu haben – mit einer Geschwindigkeit von bis zu 48 Kilometern pro Stunde.
Die Anklage umfasst sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen. Bei dem Anschlag starben fünf Frauen und ein neunjähriger Junge. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Die psychischen Folgen für die Betroffenen zeigen, dass die Auswirkungen solcher Gewalttaten weit über die unmittelbaren körperlichen Verletzungen hinausreichen und langfristige Traumata verursachen können.



