Wut-Demo nach Schließfachraub: Opfer fordern Rücktritt der Sparkassenchefs
Wut-Demo nach Schließfachraub in Gelsenkirchen

Gelsenkirchen – Es war die Demonstration der wütenden Opfer, die sich im Stich gelassen fühlen. Vor der Sparkasse in Gelsenkirchen haben heute über 500 Geschädigte des Multi-Millionen-Coups demonstriert. Nachdem an Weihnachten der Tresorraum leergeräumt worden war, steht vor allem das Krisenmanagement des Geldinstituts in der Kritik.

Bergarbeiter verlor Goldbarren

Memduk S. (60) ist einer der Betroffenen und er ist stinksauer auf den Sparkassen-Vorstand: „Ich habe 33 Jahre unter Tage gearbeitet, wirklich hart malocht und immer was weggelegt für später und die Kinder. Ich habe davon Goldbarren gekauft und in das Schließfach gelegt. Und jetzt ist alles weg.“ Nach dem Schließfachraub von Gelsenkirchen zerreißt der Minenarbeiter seine Sparkassen-Geldkarte aus Wut.

Rentnerin sammelt Pfandflaschen

Besonders hart getroffen hat es Schließfach-Opfer Rita N. (83). Die alte Dame hat eine kleine Rente und geht jetzt Flaschen sammeln. „Wenn ich die Miete bezahlt habe, bleiben mir nur noch 40 Euro für den Rest im Monat. Ich habe mir jeden Monat was aus dem Tresor geholt, um damit alles zu bezahlen. Und jetzt ist alles weg. Ich bin finanziell völlig ruiniert. Und bis vielleicht irgendwann eine Entschädigung von der Sparkasse kommt, bin ich wahrscheinlich tot.“

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Familie verlor Erbstücke und Ersparnisse

Michaela I. (53) verlor ihr Familienerbe. „In dem Schließfach waren Schmuck und Goldmünzen. Ab morgen soll ja angeblich die Rückgabe von einzelnen Schmuckstücken starten. Aber ich weiß immer noch nicht, ob ich dazugehöre, man weiß eigentlich gar nichts. Das Einzige, was ich weiß: Ich hab nichts mehr zu verlieren, ich hab bereits alles verloren.“ Sie hofft, einzelne Schmuckstücke zurückzubekommen.

Zornig und verzweifelt sind auch Claudia (65) und Ezzedine Klay (73): Die Bankkauffrau und der Schweißer bei Thyssen waren 45 Jahre Kunden bei der Sparkasse und hatten zwei Schließfächer. „Darin war Geld für unsere Tochter, davon wollten wir ihr für den Job ein Auto kaufen. Und Geld für die Beerdigung meines Schwiegervaters, außerdem unsere Altersvorsorge. Alles ist weg und das Einzige, was wir von der Sparkasse bekommen haben, war ein dreistes Schreiben mit einem Kreditangebot.“

Demo-Organisator fordert Rücktritt

Demo-Organisator Soner Sari (29), ebenfalls ein Opfer, will, dass die Sparkassenchefs endlich Verantwortung übernehmen. „Es gibt null Kommunikation, null Mitgefühl, keiner fühlt sich verantwortlich und hilft uns. Der Sparkassen-Vorstand muss endlich zurücktreten und Platz machen für andere, die wirklich aufklären und unterstützen wollen.“ Etwa 500 Sparkassen-Kunden kamen am Donnerstag zu der von ihm organisierten Demonstration.

Der Raub: Hunderte Millionen Euro erbeutet

Bei dem dreisten Multi-Millionen-Coup waren unbekannte Täter an Weihnachten in die Sparkasse eingedrungen, hatten mit einem Kernbohrer ein Loch in die Mauer des Tresorraums gefräst. Dann räumten sie innerhalb von 48 Stunden über 3000 Schließfächer leer. Der geschätzte Schaden liegt bei 300 bis 500 Millionen Euro. Die meisten Opfer waren unterversichert, sollen nur 10.300 Euro Entschädigung bekommen, obwohl sie teilweise bis zu einer halben Million verloren haben. Dagegen klagen sie. In einem Monat sollen die ersten Zivilprozesse gegen die Sparkasse nach dem Bankeinbruch beginnen.

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