Samstag, neun Uhr morgens. Kein Wecker, kein Termin, kein Mensch, der irgendetwas von einem will. Der Kaffee dampft. Die Welt steht still. Und dann kommt dieser Gedanke, der einem den Moment ruiniert: Anderswo auf der Welt hat das Wochenende schon am Donnerstagabend angefangen. Oder es gibt gar keins.
Die göttliche Börse bestimmt den Tag
In Japan etwa hat man das Wochenende zwar offiziell eingeführt, aber niemand hat es den Leuten gesagt. Und in den arabischen Golfstaaten lag es bis vor Kurzem auf Freitag und Samstag, wegen des Freitagsgebets. Die Emirate haben das inzwischen geändert und sich dem westlichen Samstag-Sonntag angepasst. Die Begründung klang weniger nach Seelenheil als nach Börsenzeiten. Der liebe Gott muss sich jetzt den Freitagnachmittag mit dem Kapitalmarkt teilen.
Die alten Römer kannten gar keine Sieben-Tage-Woche. Die hatten acht Tage, und der freie Tag war der Markttag. Man ruhte sich aus, indem man einkaufen ging. Klingt vertraut. In China werden die Wochentage durchnummeriert, aber der Sonntag heißt dort „Himmelstag“. Die Chinesen haben dem einzigen freien Tag also einen Namen gegeben, der klingt, als hätte ihn ein Kind erfunden. Das allein macht ihn sympathisch.
Fünf Tage Gehalt und vier Tage Arbeit
Die Isländer wiederum haben einfach beschlossen, dass fünf Tage arbeiten sowieso einer zu viel ist. Vier-Tage-Woche, volles Gehalt, alle zufrieden. Die Produktivität ist nicht gesunken, die Wirtschaft gewachsen. Man fragt sich, warum das den Rest der Welt so irritiert. Vielleicht liegt es daran, dass das Wochenende weniger eine Frage des Kalenders ist als eine Frage der Erlaubnis. Die Erlaubnis, nichts zu tun. Und die fällt uns schwerer als jede Arbeitswoche.



