Mediatheken-Altersprüfung: Warum ARD und ZDF den Ausweis-Check so kompliziert gestalten
ARD und ZDF: Komplizierte Altersprüfung in Mediatheken

Mediatheken-Altersprüfung: Warum ARD und ZDF den Ausweis-Check so kompliziert gestalten

Eigentlich sollten die Mediatheken von ARD und ZDF eine praktische Sache sein: Verpasste Sendungen und Filme bequem nachholen, wann immer man möchte. Doch bei Inhalten mit Altersbeschränkung wird der Zugang zum echten Hindernislauf. Statt einfach loszuschauen, müssen Nutzer erst ihren Ausweis zücken und sich durch aufwendige Verifizierungsprozesse kämpfen.

Komplizierte Prozedur für Erwachsene

Für Erotik-Thriller, Horrorfilme oder andere Inhalte mit Freigabe ab 16 oder 18 Jahren müssen selbst erwachsene Zuschauer bei ARD und ZDF eine langwierige Anmeldung absolvieren. Zuerst muss ein Konto angelegt werden, dann müssen die Ausweisdaten penibel eingetippt werden. Das Besondere: Es werden nicht einfach Name und Geburtsdatum abgefragt, sondern der maschinenlesbare Teil des Ausweises.

Bei Personalausweisen müssen Ausweisnummer, Prüfzahl und die 30 Stellen aus Zeile zwei eingegeben werden – inklusive aller Trennzeichen. Bei Reisepässen sind es sogar 44 Zeichen aus einer einzigen Zeile. Was sich auf Laptop oder Smartphone noch bewältigen lässt, wird auf dem Fernseher mit Fernbedienungseingabe zur echten Geduldsprobe.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Doppelte Arbeit für Nutzer

Ein weiteres Ärgernis: Wer sowohl ARD- als auch ZDF-Inhalte mit Altersbeschränkung schauen möchte, muss den gesamten Prozess doppelt durchlaufen. Die Anmeldung bei der ARD gilt nicht für das ZDF und umgekehrt. Nach der mühsamen Dateneingabe folgt noch die Vergabe einer vierstelligen PIN, erst dann kann der gewünschte Film freigeschaltet werden.

Jugendschutz als Begründung

Die öffentlich-rechtlichen Sender verteidigen ihre aufwendigen Verfahren mit den Anforderungen des Jugendschutzes. Ein ARD-Sprecher erklärt: „Der Zugang zur ARD Mediathek ist grundsätzlich ohne Anmeldung möglich. Gleichzeitig stellt die ARD sicher, dass ihre Angebote die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nicht beeinträchtigen, und setzt die Vorgaben des Jugendmedienschutzes konsequent um.“

Das ZDF verweist auf ähnliche Regelungen: „Um den Anforderungen des Jugendschutzes gerecht zu werden, müssen gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Dazu zählt, dass bestimmte Inhalte – analog zum Fernsehprogramm – erst zu bestimmten Uhrzeiten frei zugänglich sind.“

Zeitliche Beschränkungen als Alternative

Tatsächlich gelten in den Mediatheken dieselben Regeln wie im linearen Fernsehen: Inhalte ab 16 Jahren sind erst ab 22 Uhr verfügbar, Inhalte ab 18 Jahren erst ab 23 Uhr. Wer auf die Ausweisprüfung verzichten möchte, kann entsprechende Filme also nur in diesem Zeitfenster zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens anschauen.

Die ARD argumentiert, dass der Aufwand für Nutzer durch ihr System gering gehalten werde, da keine Kreditkarte zur Altersverifikation erforderlich sei. Für viele Zuschauer bleibt jedoch der Eindruck, dass die praktische Nutzung der Mediatheken durch diese Hürden unnötig erschwert wird – besonders im Vergleich zu privaten Streaming-Diensten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration