Makabere Pilgerreise: Influencer drehen Videos auf Epsteins Skandal-Insel
Influencer drehen Videos auf Epsteins Skandal-Insel

Makabere Pilgerreise: Influencer drehen Videos auf Epsteins Skandal-Insel

Die berüchtigte Karibikinsel Little St. James in der Karibik war einst das private Refugium des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. An diesem Ort wurden unzählige junge Frauen sexuell ausgebeutet und missbraucht. Jetzt gerät die Insel erneut in die Schlagzeilen, allerdings aus einem völlig anderen Grund: Influencer und Content-Creator besuchen den Ort, um dort Videos für ihre Social-Media-Kanäle zu drehen. Dies geschieht, obwohl der Zutritt zur Insel strikt untersagt ist und überall am Ufer deutliche Verbotschilder prangen.

Klickzahlen als Antrieb für makabere Besuche

Die Faszination für diese makaberen Pilgerreisen scheint unter Influencern riesig zu sein. Ihr primärer Antrieb sind dabei die Klickzahlen und das virale Potenzial der Inhalte. Laut Berichten der britischen Zeitschrift Daily Mail wurden seit Beginn des Jahres 2026 mindestens neun solcher Videos auf der Plattform YouTube veröffentlicht. Zusammengenommen haben diese Videos mehr als 52 Millionen Aufrufe erzielt. Die Suchanfragen nach Begriffen wie Epstein Island und Little Saint James erreichten im Februar 2026 einen Höchststand, wie Daten von Google Trends zeigen. Dieser Anstieg folgte auf die Veröffentlichung neuer Fotos und Dokumente im Fall Epstein durch das US-Justizministerium.

Jeffrey Epstein wurde bereits 2008 in Florida wegen Sexualdelikten verurteilt. Im Jahr 2019 erfolgte eine weitere Anklage, doch der Amerikaner nahm sich noch vor Prozessbeginn in Untersuchungshaft in einem New Yorker Gefängnis das Leben. Seine beiden Privatinseln, Little Saint James und Great Saint James, erwarb er für insgesamt rund 26 Millionen Euro. Der Nachlass hielt die Anwesen bis 2022, bevor sie verkauft wurden.

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YouTuber brechen für virale Inhalte das Gesetz

Der in Jordanien lebende Influencer Ahmad Aburob (28) erklärte gegenüber dem US-Sender NBC, dass dieser Trend viele YouTuber dazu veranlasst habe, auf den Zug aufzuspringen. Typischerweise beginnen die Videos damit, dass die Creator nach St. Thomas fliegen, der nächstgelegenen Nachbarinsel mit einem Flughafen. Dort sprechen sie mit Einheimischen, um Hinweise und Gerüchte über die Insel des Sexualstraftäters zu sammeln. Anschließend besorgen sie sich Jet-Ski- und Schnorchelausrüstung, um zum Ufer der Insel zu schwimmen oder Drohnen über das Gelände fliegen zu lassen.

Trotz des klaren Betretungsverbots nahm Aburob das Risiko einer Strafe auf sich. Er gab zu, nur sehr kurz hingefahren zu sein, um sein Video zu drehen, weil ich wusste, dass es viral gehen würde und perfekt zu meinen üblichen Inhalten passt. Für Influencer stellt der Fall Epstein eine wahre Goldgrube dar, da das Online-Engagement rund um das Thema enorm hoch ist. Einige Creator zeigen jedoch zumindest ansatzweise Anstand, wie der YouTuber Ben Lisi, der sich aufgrund rechtlicher Bedenken gegen das Betreten der Insel entschied. Er betonte, dass die Insel jetzt einer anderen Person gehöre und er dies respektieren wolle.

Neuer Besitzer und unklare rechtliche Konsequenzen

Im Jahr 2023 kaufte der Milliardär Stephen Deckoff (60) die beiden Inseln für umgerechnet 55 Millionen Euro. Er plant, dort ein Luxushotel zu errichten und warnt ausdrücklich davor, die Insel Little St. James zu betreten. Dennoch halten sich viele Influencer nicht an diese Anordnung. Es bleibt bisher unklar, ob Deckoff rechtliche Schritte gegen die Creator wegen ihres unerlaubten Aufenthalts auf der Insel einleiten wird. Der YouTuber Ash Alk (23) beschrieb in seinem Ende Februar veröffentlichten Video das seltsame Gefühl, auf der Epstein-Insel herumzulaufen, und kommentierte: Hier sind unheilige Dinge passiert, es fühlt sich so seltsam an, hier zu sein.

Diese Entwicklung wirft ernste ethische Fragen auf: Sollten Orte, die mit schweren Verbrechen und menschlichem Leid verbunden sind, als Kulisse für Unterhaltungsvideos dienen? Die Influencer scheinen in ihrem Streben nach Aufmerksamkeit und Reichweite moralische Grenzen zu überschreiten, während die Opfer des Epstein-Skandals und ihre Geschichten in den Hintergrund gedrängt werden.

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