Martensteins ungewöhnlicher Rat an Deutschlands Rentnergeneration
In seiner neuen tägigen Kolumne für BILD wendet sich Harald Martenstein (72) mit einem bemerkenswerten Appell an die deutsche Rentnergeneration. Der erfahrene Journalist und Kolumnist beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: Die Kriminalpolizei scheint sich zunehmend auf ältere Bürger zu konzentrieren, die ihre politische Meinung im Internet äußern.
Der Fall des Heilbronner Rentners
Martenstein erinnert an mehrere Fälle, in denen Senioren mit rechtlichen Konsequenzen konfrontiert wurden. Besonders aktuell ist der Vorfall eines Rentners aus Heilbronn, der Bundeskanzler Friedrich Merz mit der Märchenfigur Pinocchio verglich. Der Senior schrieb im Netz: „Pinocchio kommt nach Heilbronn.“ Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten – die Kriminalpolizei sandte ihm Post zu.
„Pinocchio ist doch eine süße Märchenfigur“, kommentiert Martenstein ironisch. „Bei jeder Lüge wird seine Nase länger. Ein kurzer Blick auf die Nase des Kanzlers zeigt eigentlich, wie absurd dieser Vergleich ist.“ Der Kolumnist verweist jedoch auf Recherchen der WELT, die nahelegen, Merz könnte aufgrund seiner zahlreichen Anzeigen der empfindlichste Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte sein.
Die absurde Logik der Strafverfolgung
Interessanterweise wurde in diesem konkreten Fall die Staatsanwaltschaft aktiv und stellte das Verfahren ein. Die Begründung: Es handele sich um „zulässige Machtkritik“. Martenstein sieht darin ein „gewisses Gespür dafür, was das Wort Demokratie bedeutet“.
Noch kurioser wird die Situation bei einem anderen Vergleich: Bürger, die Merz mit dem Lügenbaron Münchhausen verglichen, wurden nicht angezeigt. Der Grund laut Martenstein: „Bei der Kripo konnte mit dem Namen Münchhausen niemand etwas anfangen.“
Martensteins kreativer Lösungsvorschlag
Aus diesen Beobachtungen leitet der 72-jährige Kolumnist einen ungewöhnlichen Ratschlag ab: „Deutsche Rentner: Verwendet seltene Wörter!“ Seiner Ansicht nach könnte die Verwendung weniger geläufiger Begriffe und historischer Referenzen helfen, unbequeme politische Vergleiche zu formulieren, ohne gleich Post von der Kriminalpolizei zu erhalten.
Martenstein schlägt sogar vor, ein Vergleich mit der „Prinzessin auf der Erbse“ wäre nicht nur treffender gewesen, sondern hätte vor Gericht wahrscheinlich einer Sachprüfung standgehalten. Seine Kolumne endet mit den Worten: „Mit freundlichen Grüßen Harald Martenstein“ – eine bewusste Reminiszenz an die formelle Korrespondenz, die vielen Senioren vertraut ist.
Die Kolumne wirft grundsätzliche Fragen auf: Wo verläuft die Grenze zwischen zulässiger politischer Kritik und strafbaren Äußerungen? Und wie verändert sich diese Grenze in Zeiten digitaler Kommunikation? Martenstein bleibt bei seiner ironischen, aber pointierten Analyse: Manchmal hilft vielleicht tatsächlich ein Blick in den Duden oder ein Märchenbuch, um unerwünschte Aufmerksamkeit von Strafverfolgungsbehörden zu vermeiden.



