Tag des Lokaljournalismus: MZ öffnet Redaktion für Schüler in Weißenfels
MZ zeigt Schülern Lokaljournalismus in Weißenfels

Weißenfels/MZ. – TikTok, Instagram und YouTube: Auf diesen Plattformen informiert sich eine 11. Klasse des Goethegymnasiums in Weißenfels über Politik, Sport und aktuelle Themen. Dass soziale Medien im Alltag eine zentrale Rolle spielen, überrascht kaum. Doch ein anderes Ergebnis ist bemerkenswert: Rund zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler schauen regelmäßig gemeinsam mit ihren Eltern klassische Nachrichten im Fernsehen – vor allem die Tagesschau. Das Klischee, junge Menschen interessierten sich kaum für das Weltgeschehen, trifft hier also nicht zu. Gleichzeitig wussten viele bislang wenig darüber, wie Nachrichten entstehen, insbesondere in einer Lokalredaktion.

Jugendliche nutzen Social Media und klassische Medien

Die Jugendlichen greifen auf ganz unterschiedliche Quellen zurück. „Bei uns läuft den Tag über das Radio, darüber bekomme ich viel mit“, erzählt Schülerin Tabea. Auch Printmedien sind noch präsent: „Meine Eltern haben die MZ abonniert, und ich lese vor allem die lokalen Berichte“, sagt Mitschülerin Lisa. Der Mix aus digitalen und klassischen Angeboten prägt den Alltag vieler Jugendlicher.

Tag des Lokaljournalismus: Einblick in die MZ-Redaktion

Daran knüpften die Volkshochschule Weißenfels und die Lokalredaktion der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) an und luden die Klasse zu einem Workshop ein. Anlass war der Tag des Lokaljournalismus am 5. Mai, ein bundesweiter Aktionstag, der 2025 von der Ippen-Mediengruppe ins Leben gerufen wurde. Die MZ-Lokalredaktionen öffneten ihre Türen und gewährten Einblicke in ihre Arbeit. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle freie Medien in einer demokratischen Gesellschaft spielen.

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Pressefreiheit weltweit: Deutschland und Russland im Vergleich

Die Schüler erfuhren, wie unterschiedlich Pressefreiheit weltweit ausgeprägt ist. Deutschland liegt auf Platz 14 der Rangliste von Reporter ohne Grenzen, während Russland mit Platz 171 zu den Schlusslichtern zählt. Die Zahlen machten greifbar, wie wichtig unabhängiger Journalismus ist und wie sehr Journalisten weltweit unter Druck stehen.

Exiljournalist berichtet über Zensur

Besonders eindrücklich war der Beitrag des russischen Exiljournalisten Ilya (Name geändert), der mit der Klasse diskutierte. Er sprach über Qualitätsjournalismus, Meinungsbildung und die Bedeutung freier Medien. „Ich träume davon, irgendwann nach Russland zurückzukehren“, erzählte Ilya. Seit 2022 lebt er in Deutschland, wie rund 3.000 weitere Journalisten und Aktivisten aus Russland.

Für die Jugendlichen war es eine neue Erfahrung, aus erster Hand von Zensur zu hören. „Ich habe das in Deutschland noch nie erlebt“, sagte Lisa. „Dass Menschen sich nicht frei äußern können, ist kaum vorstellbar“, ergänzte Ronja. Die Gespräche zeigten, wie selbstverständlich freie Meinungsäußerung in Deutschland für viele junge Menschen ist.

Fake News und Medienkompetenz

Neben der Pressefreiheit spielte auch der Umgang mit sozialen Medien eine Rolle. „Man spricht über mögliche Einschränkungen bei Social Media, aber entscheidend ist Aufklärung“, sagte Lukas Bolte von der Bildungsinitiative „Spreuweizen“. Es gehe darum, Nachrichtenkompetenz zu vermitteln und Fakten von Meinungen zu unterscheiden.

So arbeitet eine Lokalredaktion

Wie journalistische Arbeit konkret aussieht, erlebten die Schüler direkt vor Ort. Redaktionsleiter Alexander Kempf zeigte die Abläufe im Alltag. „Wir als Presse haben die Aufgabe, genau hinzuschauen – Politik zu kontrollieren und Missstände aufzudecken“, betonte Kempf. Die Schüler verfolgten, wie Themen ausgewählt, recherchiert und als Artikel veröffentlicht werden.

Lokaljournalismus im digitalen Wandel

Zum Abschluss wurde deutlich, wie stark sich Lokaljournalismus verändert hat. Neben der gedruckten Zeitung spielen Online-Angebote, Apps und Social Media eine zentrale Rolle. Das eröffnet Chancen: Nachrichten verbreiten sich schneller, erreichen ein größeres Publikum und ermöglichen direkten Austausch. Für junge Menschen wird Lokaljournalismus dadurch zugänglicher – und bleibt ein wichtiger Bestandteil des demokratischen Zusammenlebens vor Ort.

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