Medienskandal bei Olympia-Übertragung
Aus dem großen Spektakel der Olympia-Eröffnungsfeier ist für Italiens öffentlich-rechtlichen Sender Rai ein handfester Medienskandal geworden. Der Sender steht nach peinlichen Fehlern seines Sportchefs Paolo Petrecca massiv in der Kritik, und nun droht sogar ein Streik der eigenen Belegschaft.
Peinliche Verwechslungen am Mikrofon
Als Kommentator der Live-Übertragung aus dem berühmten San-Siro-Stadion in Mailand sorgte Rai-Sportchef Paolo Petrecca für eine Serie von peinlichen Pannen. Gleich zu Beginn begrüßte er die Zuschauer fälschlicherweise aus dem „Stadio Olimpico“ in Rom statt aus Mailand. Im weiteren Verlauf der Show verwechselte er prominente Gäste und Führungspersönlichkeiten auf gravierende Weise.
Die italienische Schauspielerin Matilda De Angelis hielt er für die amerikanische Sängerin Mariah Carey. Als Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella eingeblendet wurde, bezeichnete er die daneben stehende Präsidentin des Internationalen Olympischen Komitees, Kirsty Coventry, als Mattarellas Tochter. Auch während des Fackellaufs erkannte er zahlreiche Welt- und Olympiasieger nicht.
Massive Kritik und Streikdrohung
Diese Fehlleistungen führten zu massiver Kritik in ganz Italien. Zuschauer reagierten mit Spott und Hohn, darunter auch bekannte Sportstars. Die Rai-Gewerkschaft Usigrai sprach offen von einer „Blamage“ für den Sender.
Interessant ist dabei der Hintergrund: Petrecca war ursprünglich gar nicht als Kommentator geplant. Der erfahrene Kommentator Auro Bulbarelli sollte die Eröffnungsfeier begleiten, wurde aber kurz zuvor von dieser Aufgabe entbunden, nachdem er Details über einen Überraschungsauftritt von Präsident Mattarella verraten hatte.
Drastische Protestmaßnahmen
Am Montag nach der Eröffnungsfeier reagierte die Sportredaktion mit drastischen Protestmaßnahmen. Die Journalistengewerkschaft Comitato di Redazione kündigte an, nach dem Ende der Spiele für drei Tage in den Streik zu treten. Bis dahin werden die Journalisten keinen ihrer Namen unter Artikel oder Beiträge setzen.
Rai-CEO Giampaolo Rossi tauschte Petrecca daraufhin aus dem Team der Berichterstattung für die Schlussfeier aus und forderte ihn auf, Verantwortung zu übernehmen. In einer offiziellen Erklärung war die Rede von der „schlimmsten Demütigung von RAI Sport“.
Politische Dimension des Skandals
Der Vorfall hat in Italien auch politische Wellen geschlagen. Oppositionspolitiker warfen Rai vor, unter der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zunehmend politisch besetzt und fachlich geschwächt zu sein. Kritiker sehen in den Pannen ein Symptom für mangelnde Professionalität und politische Einflussnahme bei dem öffentlich-rechtlichen Sender.
Die Situation zeigt, wie ein einzelner Fehler eines Verantwortlichen zu einer schweren Vertrauenskrise bei einem großen Medienunternehmen führen kann. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die geplanten Streikmaßnahmen tatsächlich umgesetzt werden und wie Rai mit dieser Krise umgehen wird.



