Metaanalyse belegt: Misogynie in Medien verändert Frauenbild bei Männern und Frauen
Studie: Misogynie in Medien verändert Frauenbild

Metaanalyse belegt: Misogynie in Medien verändert Frauenbild bei Männern und Frauen

Wer häufig mit frauenfeindlichen Inhalten konfrontiert wird, beginnt diese offenbar irgendwann für wahr zu halten. Das zeigt eine umfassende internationale Metaanalyse, die jetzt im Fachjournal Psychological Bulletin der American Psychological Association veröffentlicht wurde. Die Studie bündelt 257 Untersuchungen aus 47 Jahren mit insgesamt 132.933 Teilnehmenden.

Konsum führt zu mehr Feindseligkeit

Die Analyse belegt einen klaren statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Konsum misogyner Medieninhalte und verschiedenen frauenfeindlichen Reaktionen. Wer entsprechende Inhalte konsumiert, zeigt im Durchschnitt mehr Feindseligkeit gegenüber Frauen. Dieses Ergebnis zeigte sich sowohl in experimentellen als auch in nicht-experimentellen Studien über eine heterogene Bandbreite von Studiendesigns hinweg.

Janina Steinert, Professorin für Global Health an der Technischen Universität München, fasst das Hauptergebnis zusammen: "Die Metaanalyse zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen der Exposition gegenüber misogynen Inhalten und verschiedenen frauenfeindlichen Reaktionen."

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Frauen beeinflussen sich selbst

Besonders bemerkenswert ist, dass nicht nur Männer von den frauenfeindlichen Medieninhalten beeinflusst werden, sondern auch Frauen selbst. Maximilian Krug von der Universität Duisburg-Essen erklärt: "Mediale Darstellungen von Frauen können nachweislich beeinflussen, wie über Frauen gedacht wird und wie Frauen sich selbst wahrnehmen."

Erniedrigende und pornografische Inhalte zeigen bei beiden Geschlechtern ähnlich starke Effekte. Jacob Johanssen von der St Mary's University in London interpretiert dieses Ergebnis: "Dass Frauen auf Demütigungs- und pornografische Inhalte mit ähnlicher Feindseligkeit reagieren wie Männer, legt nahe, dass internalisierte Misogynie ein reales Phänomen darstellt."

Besondere Gefahr für Jugendliche

Besonders besorgniserregend ist der Befund, dass das Alter eine entscheidende Rolle spielt. Jugendliche und junge Erwachsene lassen sich durch misogyne Inhalte erheblich stärker beeinflussen als ältere Erwachsene. Diese Ergebnisse könnten eine wichtige Grundlage für die aktuelle Debatte über eine mögliche Regulierung von Inhalten in sozialen Medien oder über deren Nutzung durch Minderjährige darstellen.

Influencer verstärken den Effekt

Die Studie weist auch auf die wachsende Bedeutung von Akteuren außerhalb klassischer Mediensysteme hin. Maximilian Krug betont: "Influencer wie Andrew Tate oder Netzwerke misogyn orientierter Online-Communitys gewinnen zunehmend Einfluss auf solche Diskurse." Medien spiegeln dabei gesellschaftliche Normen wider, können diese aber auch verstärken – insbesondere, wenn misogyn geprägte Narrative häufig reproduziert werden.

Die Metaanalyse zeigt deutlich, dass Misogynie in den sozialen Medien allgegenwärtig ist und durch herablassende Stereotypen, Unterstellungen und offene Feindseligkeit Frauen als weniger glaubwürdig, weniger kompetent und weniger wert als Männer darstellt. Die Forschungsergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, diesem Phänomen mit Aufklärung und möglicherweise regulatorischen Maßnahmen zu begegnen.

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