TV-Sender fordern EU-Eingriff: Smart-TV-Konzerne sollen Inhalte nicht mehr dominieren
Europäische Fernsehsender schlagen Alarm und fordern einen Eingriff der Europäischen Union bei Smart-TV-Systemen. Der Grund für diese deutliche Forderung liegt in der zunehmenden Macht großer Technologiekonzerne, die über ihre Plattformen entscheiden, welche Inhalte den Nutzern angezeigt werden. Früher war die Situation anders: Beim Einschalten des Fernsehers sahen Zuschauer sofort ein laufendes Programm und konnten durch die klassischen Sender zappen. Heute landen Nutzer auf Startseiten, die mit Streaming-Diensten, Spielen und Pay-TV-Angeboten gefüllt sind, was traditionelle Fernsehanbieter benachteiligt.
Sender sehen Wettbewerbsnachteil durch Gatekeeper
Laut einem aktuellen Bericht von Reuters hat sich der Verband ACT, der Unternehmen wie ProSiebenSat.1, RTL sowie Streaming-Anbieter wie Sky, Disney und Paramount+ vertritt, an die EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera gewandt. In einem offiziellen Schreiben fordern diese Akteure strengere Regeln für Smart-TV-Systeme, basierend auf dem Digital Markets Act. Dieser Gesetzesrahmen soll eigentlich fairen Wettbewerb sichern, doch die Sender sehen genau diesen in Gefahr. Ihre Sorge konzentriert sich auf Konzerne wie Google, Apple, Samsung und Amazon, die über ihre Plattformen wie Android TV, Tizen OS, tvOS und Fire OS als sogenannte Gatekeeper fungieren.
Diese Gatekeeper entscheiden über die Sichtbarkeit und Reichweite von Inhalten, können Nutzer an eigene Angebote binden und dadurch Konkurrenz benachteiligen. Die Fernsehanbieter argumentieren, dass die steigenden Marktanteile dieser Systeme eine zentrale Rolle spielen und zu einem Ungleichgewicht führen. Zwar erfüllen die Anbieter laut dem Bericht noch nicht die festen Schwellenwerte des Digital Markets Act, die bei 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern und einer Marktbewertung von etwa 75 Milliarden Euro liegen. Dennoch kann die EU-Kommission auch andere Kriterien prüfen, worauf der ACT-Verband hofft.
Kritik an Sprachassistenten und Systemdominanz
Neben den Smart-TV-Systemen stehen auch Sprachassistenten wie Alexa und Siri in der Kritik, da sie die Kontrolle über Nutzerinteraktionen verstärken können. Die Sender befürchten, dass durch diese Dominanz andere Angebote untergehen und die Vielfalt im Medienmarkt eingeschränkt wird. Die EU-Kommission hat bereits angekündigt, das Schreiben des ACT-Verbands zu prüfen, was auf mögliche regulatorische Maßnahmen hindeutet. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung von fairem Wettbewerb in der digitalen Ära, wo Technologiekonzerne zunehmend Einfluss auf die Medienlandschaft nehmen.
Insgesamt zeigt dieser Vorstoß, wie traditionelle Fernsehanbieter und Streaming-Dienste gemeinsam gegen die Marktmacht großer Tech-Firmen vorgehen, um ihre Position zu sichern und eine ausgewogene Sichtbarkeit für alle Inhalte zu gewährleisten. Die Debatte um Smart-TV-Systeme wird voraussichtlich weiter an Fahrt gewinnen, da die Digitalisierung des Fernsehens fortschreitet und neue Herausforderungen für den Wettbewerb schafft.



