Scharfe Kritik im ZDF-Fernsehrat: Wahlberichterstattung und KI-Fake im Fokus
In einer aktuellen Sitzung des ZDF-Fernsehrats wurde massive Kritik an der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders geübt. Mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums warfen dem ZDF schwerwiegende Fehler in der Wahlberichterstattung zur Baden-Württemberg-Wahl sowie eine unzureichende Aufarbeitung eines gezeigten KI-Fakes im "heute-journal" vor. Die Diskussionen offenbarten tiefgreifende Probleme in der redaktionellen Arbeit des Senders.
Grafische Verzerrung: AfD zu klein dargestellt
Besonders deutlich wurde Fernsehrätin Christine Richter, die Vertreterin des Berliner Senats. Die 61-Jährige kritisierte eine mehrfach gezeigte Grafik zur Sitzverteilung im baden-württembergischen Landtag. Darin sei die AfD mit ihren 35 Sitzen grafisch etwa gleich groß dargestellt worden wie die SPD mit lediglich zehn Sitzen. "Es muss ja eine Kontrolle geben. Wer hat denn diese Grafik angeguckt?", fragte Richter provokant. ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten räumte ein, dass der Anteil der AfD "proportional zu klein" dargestellt worden sei und versprach, dies mit den Grafik-Kollegen aufzuarbeiten.
Unvollständige Koalitionsanalyse
Ein weiterer Kritikpunkt betraf die Analyse möglicher Regierungsbündnisse nach der Wahl. Richter bemängelte, dass zwar CDU/Grüne und CDU/AfD thematisiert worden seien, nicht aber die rechnerische Mehrheit von Grünen und AfD. "Auf einmal werden Koalitionsmöglichkeiten dargestellt, CDU/Grüne und CDU/AfD, aber in der Berichterstattung fehlt, dass es rein rechnerisch auch eine Koalitionsmehrheit für AfD und Grüne gibt", so die Fernsehrätin. Auch hier gestand Schausten Fehler ein: "Wir haben das auch als falsch empfunden."
KI-Fake: Falscher Reflex bei der Aufarbeitung
Besonders kontrovers diskutiert wurde die Aufarbeitung eines im "heute-journal" gezeigten KI-Fakes. Das Format hatte eine vermeintliche Abschiebungsszene in den USA ausgestrahlt, die jedoch mit künstlicher Intelligenz erstellt worden war und nie stattgefunden hatte. NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski kritisierte, die Aufarbeitung habe sich zunächst zu sehr darauf konzentriert, "wie kann man das erklären" statt auf "wie konnte das passieren". Das sei "der falsche Reflex" gewesen.
BDA-Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter mahnte mehr Selbstkritik an und warnte vor einer "Wagenburgmentalität". "Dahinter stecke der Wunsch, sich nicht mit der Kritik, sondern mit der Qualität der Kritisierenden auseinanderzusetzen. Das ist eine Gefahr", so der 62-Jährige.
Intendantenwahl ohne echte Alternative
In derselben Sitzung wurde Norbert Himmler erneut zum ZDF-Intendanten gewählt – ohne Gegenkandidaten. Auch dieser Umstand stieß auf Unverständnis. Kampeter hatte bereits vor der Wahl gegenüber BILD erklärt: "Dem ZDF hätte ein Rennen mehrerer Kandidaten gutgetan." Die fehlende demokratische Alternative bei dieser wichtigen Personalentscheidung wurde von mehreren Fernsehratsmitgliedern kritisch hinterfragt.
Verwechslung bei Grünen-Wahlparty
Ein weiterer Diskussionspunkt betraf Szenen von der Grünen-Wahlparty. Richter monierte: "Nicht akzeptabel, wenn eine Moderatorin mit den Grünen feiert." Dabei bezog sie sich auf SWR-Reporterin Laura Cloppenburg, die allerdings für die ARD und nicht für das ZDF berichtete. Cloppenburg hatte enthusiastisch über den Erfolg der Grünen berichtet ("Das ist der Wahlsinn!"). Schausten korrigierte Richter prompt: "Das waren wir nicht, sondern die ARD."
Die Sitzung des ZDF-Fernsehrats offenbarte somit mehrere strukturelle und redaktionelle Probleme beim öffentlich-rechtlichen Sender. Von grafischen Ungenauigkeiten über unvollständige politische Analysen bis hin zur mangelhaften Aufarbeitung technischer Fehler reichte die Kritik. Die Diskussionen zeigen, dass der ZDF-Fernsehrat seine Kontrollfunktion ernst nimmt und auf transparente, ausgewogene Berichterstattung drängt.



