Erster Moschee-Neubau in Thüringen nach zehn Jahren eröffnet
Erster Moschee-Neubau in Thüringen eröffnet

Historischer Moment in Thüringen: Erster Moschee-Neubau eröffnet

Nach fast zehnjähriger Planungs- und Bauzeit hat die Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt ihre neue Moschee eröffnet. Es handelt sich dabei um den ersten Moschee-Neubau in der Geschichte Thüringens. Die Mahmud-Moschee, die in einem Ortsteil der Landeshauptstadt errichtet wurde, stellt nach Angaben der Gemeinde das erste muslimische Gotteshaus mit Kuppel und einem kleinen Minarett in allen fünf ostdeutschen Bundesländern dar.

Feierliche Eröffnung mit prominenten Gästen

Zur feierlichen Eröffnungszeremonie fanden sich zahlreiche Würdenträger ein. Unter den Gästen befanden sich Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Landesgemeinde sowie Landes- und Kommunalpolitiker. Thüringens ehemaliger Ministerpräsident und Bundestags-Vizepräsident Bodo Ramelow (Linke) würdigte insbesondere die Aufschrift „Liebe für alle, Hass für keinen“ an einer Moschee-Wand als eine der großartigsten Botschaften, die er kenne.

Ramelow und Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) betonten in ihren Reden die Bedeutung der Religionsfreiheit als eine der wichtigsten Lehren aus der deutschen Geschichte. Die Moschee soll am kommenden Sonntag mit einem „Tag der offenen Moschee“ der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.

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Ein Haus des Gebets und des Dialogs

„Der Weg bis hierher war lang und von Herausforderungen und Prüfungen geprägt“, erklärte der Sprecher der Erfurter Ahmadiyya-Gemeinde, Mohammad Suleman Malik. Die neue Moschee solle nicht nur ein Haus des Gebets sein, sondern auch ein Haus des Dialogs und des Respekts – sie solle „eine Brücke bauen zwischen Menschen und zwischen Religionen“.

Die Gemeinde betonte ihr Engagement für Prinzipien wie Friedfertigkeit, Transparenz, Offenheit und Dialog sowie für soziales Engagement. Die Ahmadiyya-Gemeinde zählt nach Angaben ihres Sprechers in Thüringen etwa 100 Mitglieder und ist seit September 1990 in Erfurt präsent.

Herausforderungen während der Bauphase

Das Projekt war nicht ohne Widerstände verlaufen. Nach der Bekanntgabe des Vorhabens im Jahr 2016 und noch vor dem Baustart 2018 hatte es Proteste gegen den Neubau der relativ kleinen Moschee und Anfeindungen gegen die Gemeinde gegeben. Gegner des Projekts hatten in der Nähe des Baugeländes große Holzkreuze und Holzspieße mit Schweinekadavern aufgestellt.

Während der Bauarbeiten kam es immer wieder zu Verzögerungen, die auch auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurückzuführen waren. Dennoch konnte das ambitionierte Projekt nun erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland

Die Ahmadiyya-Gemeinde wurde im Jahr 1889 in Indien gegründet und ist in einigen Ländern, insbesondere in Pakistan, Verfolgungen ausgesetzt. In Deutschland gibt es nach Angaben der Gemeinde etwa 60.000 Ahmadi-Muslime, die in 250 Gemeinden organisiert sind. Die Eröffnung der Mahmud-Moschee in Erfurt markiert somit nicht nur einen wichtigen Schritt für die thüringische Gemeinde, sondern auch ein bedeutendes Symbol für die religiöse Vielfalt in Ostdeutschland.

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