Die Kraft des Verzichts: Wie Fasten unsere Perspektive nachhaltig verändert
Fasten verändert Perspektive: Kraft des Verzichts

Die Kraft des Verzichts: Warum Fasten unsere Perspektive verändert

Teterow • Zu jeder Zeit benötigen Menschen Hoffnung und Zuversicht. Um ihnen Halt und Orientierung zu bieten, äußern sich an dieser Stelle Pastoren und kirchliche Mitarbeiter der Region. Heute spricht Alexander Lemke, Pastor in der evangelischen Kirchengemeinde Teterow.

Aschermittwoch als Wendepunkt

Am kommenden Mittwoch ist Aschermittwoch. Für viele bedeutet dies vor allem das Ende der närrischen Tage: Die Kostüme wandern zurück in den Schrank, die Musik verstummt, der Alltag meldet sich wieder. Ein Schnitt. Ein Innehalten. Als würde jemand das Licht ein wenig herunterdimmen. Im Kirchenjahr markiert dieser Tag jedoch weit mehr als das Ende des Karnevals.

Beginn der siebenwöchigen Passionszeit

Mit Aschermittwoch beginnt die siebenwöchige Passionszeit – die Zeit, in der Christen an das Leiden Jesu erinnern. Eine unbequeme Zeit. Denn wer beschäftigt sich schon gern mit Leiden? Wer durchlebt gerne Schmerz, Scheitern und das, was nicht glänzt und nicht leicht ist? Und doch hat diese Zeit ihren tiefen Sinn. Die Passionszeit wird auch Fastenzeit genannt. Fasten – das klingt heute oft nach Selbstoptimierung: bewusster essen, leistungsfähiger werden, gesünder leben. Dagegen ist nichts einzuwenden.

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Christliches Fasten: Mehr als Selbstoptimierung

Christliches Fasten meint aber etwas grundlegend anderes. Es geht nicht darum, besser zu werden. Es geht darum, den Blick zu schärfen – für sich selbst, für andere, für das Wesentliche. In der christlichen Tradition traut man der Entbehrung eine besondere Erkenntniskraft zu. Wer verzichtet, wer sich zurücknimmt, wer sich auf das Wesentliche beschränkt, der sieht klarer – manchmal schmerzhaft klar. Fasten wirft uns auf uns selbst zurück. Und genau darin liegt seine transformative Kraft: zu erkennen, was trägt und was nicht. Das ist kein angenehmer Prozess. Er lässt sich auch nicht abkürzen. Zudem hat er nichts mit Leistung zu tun. Am Ende dieses Weges steht im besten Fall kein Erfolg, sondern Nähe: eine neue Nähe zu sich selbst, zu anderen – und für Glaubende vor allem zu Gott.

Einsicht braucht Zeit und Erfahrung

In den Geschichten der Bibel liest man davon, dass Menschen oft lange brauchen, um wirklich zu sehen. Dass Einsicht nicht einfach entsteht, nur weil etwas gesagt wird. Gerade die Jünger Jesu sehen oft erst einmal nicht. Manchmal braucht es einen Weg, zuweilen sogar ein Durchgehen durch Dunkelheit, Begrenzung oder Verlust, bevor sich ein neuer Blick öffnet. Ich denke, dass genau darin die leise Einladung der kommenden Wochen liegt: nicht sofort Antworten zu suchen, nicht alles zu überdecken oder zu beschleunigen.

Die Einladung zum Aushalten und Hinsehen

Ich will versuchen, auszuhalten, was schwer ist. Hinsehen. Und darauf vertrauen, dass aus diesem ehrlichen Blick etwas wachsen kann – Klarheit, Mitgefühl, Hoffnung. Vielleicht ist das die eigentliche Zumutung dieser Zeit und zugleich ihr Geschenk. Und vielleicht bleibt am Ende ein stilles Wissen zurück: als sei in uns ein alter Bibliothekskatalog neu sortiert worden – einige Gewissheiten sind verrutscht, manches Begehren leiser geworden, anderes größer; und wir spüren eine Dankbarkeit, die sich nicht erklären lässt, sondern nur erfahren.

Ihr Pastor Alexander Lemke aus Teterow

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