Fastenzeit: Eine Zeit der inneren Befreiung und Selbstreflexion
Heute beginnt die 40-tägige Fastenzeit, die viele Menschen mit temporärem Verzicht auf Alkohol, Fleisch oder Süßigkeiten verbinden. Doch dieser gesellschaftliche Abnehm-Wahnsinn verfehlt nach Ansicht von Kommentator Robin Halle den eigentlichen Kern dieser besonderen Zeit.
Mehr als nur Konsumverzicht
Während zahlreiche Narren am Aschermittwoch den bierseligen Refrain "Am Aschermittwoch, ist alles vorbei..." schmettern, übersehen sie die tiefere Bedeutung dieses Tages. Der vollständige Liedtext aus dem Jahr 1953 enthält Zeilen wie "Trink auf die Freude, denn heut' ist heut'" oder "Denn was erfreut, hat noch nie gereut" - eine Glorifizierung von Alkohol, Überfluss und Konsum.
Doch am Aschermittwoch beginnt etwas viel Bedeutungsvolleres: Christen feiern in wenigen Tagen Ostern, das Fest des Lebens. Die Fastenzeit bietet eine wunderbare Gelegenheit, den Kern dieses Lebens frei zu schälen und sich auf das Wesentliche zu besinnen.
Die eigentliche Frage der Fastenzeit
Die Kirchen gehen in ihrer Interpretation der Fastenzeit deutlich weiter als der bloße Verzicht auf bestimmte Konsumgüter. Sie rücken die Entschlackung von Körper, Geist und Seele in den Vordergrund und raten dazu:
- Altbekannte Gewohnheiten kritisch zu überprüfen
- Den inneren Wertekompass zu schärfen
- Sich von Zwängen und unnötigen Belastungen zu befreien
- Überflüssiges loszulassen und Platz für Neues zu schaffen
Der Aufruf zur Buße gleicht eher der fundamentalen Frage: "Bist Du auf dem rechten Weg?" Wer diese Frage bis Ostern mit einem ehrlichen "Ja" beantworten kann, trägt dazu bei, die Welt friedlicher, liebenswerter und lebensfreudiger zu gestalten.
Dankbarkeit als Schlüssel zur Zufriedenheit
Die Suche oder Sehnsucht nach Spiritualität sind Teil dieser hoffnungsvollen Zeit. Ebenso wichtig ist das Streben nach Dankbarkeit. Im Mönchtum existiert die weise Erkenntnis: Wer dankbar sein kann für das, was er ist, was er kann und was er hat, der braucht nicht auf andere zu schielen. Solche Menschen sind zufrieden mit sich selbst und der Welt.
Die Fastenzeit ist somit keine Phase der Entbehrung, sondern eine Chance zur inneren Bereicherung. Sie lädt ein, sich von überflüssigem Ballast zu befreien und den Blick auf das Wesentliche zu richten. Wer diesen Weg beschreitet, kann nicht nur persönlich wachsen, sondern auch positiv auf seine Umwelt wirken.
So betrachtet ist am Aschermittwoch nicht alles vorbei. Im Gegenteil: Für viele Menschen fängt an diesem Tag etwas Neues und Bedeutungsvolleres an - eine Reise zu sich selbst und zu einem erfüllteren Leben.



