Heiliger Franziskus: Nach 800 Jahren erstmals öffentlich ausgestellt
In der umbrischen Stadt Assisi, die mit ihren 27.500 Einwohnern stolze fünf Heilige beherbergt, findet ein historisches Ereignis statt. 800 Jahre nach seinem Tod werden die Gebeine des Heiligen Franziskus erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die porösen und leicht geschwärzten Knochen des Franziskanerordensgründers (1181/82-1226) werden aus der Krypta der Basilika San Francesco feierlich nach oben gebracht und für einen Monat ausgestellt.
Konkurrenz durch den Internet-Heiligen
Nur wenige hundert Meter entfernt liegt in der Wallfahrtskirche Santa Maria Maggiore ein weiterer Heiliger: Carlo Acutis. Der 2006 verstorbene Teenager, der als erster "Internet-Heiliger" weltweit bekannt wurde, ruht in einem Glassarg und zieht bereits Millionen Besucher an. Seit seiner Heiligsprechung durch Papst Leo XIV. im vergangenen Jahr hat sich Acutis zu einer ernsthaften Konkurrenz für den traditionellen Franziskus-Kult entwickelt.
In den Souvenirläden Assisis werden mittlerweile ähnlich viele Acutis-Artikel verkauft wie Franziskus-Devotionalien. Während bei Franziskus vor allem Holzfiguren, Bilder und Rosenkränze gefragt sind, dominieren bei Acutis moderne Produkte wie Jutebeutel, T-Shirts und Kühlschrankmagnete.
Massiver Besucherandrang erwartet
Bereits 400.000 Menschen haben sich online für die Ausstellung der Franziskus-Reliquien angemeldet. Die Organisatoren rechnen mit einem noch größeren Gedränge in den engen Straßen der mittelalterlichen Stadt. Pilgerreisen werden bundesweit angeboten, darunter neuntägige Touren mit Papstaudienz in Rom ab 1.598 Euro.
Die katholische Kirche begründet die erstmalige öffentliche Präsentation damit, den Gläubigen zum 800. Todestag ein "unmittelbares, sinnliches Erlebnis" bieten zu wollen. Dies unterstreicht die anhaltende Bedeutung des Reliquienkults trotz aller Säkularisierungstendenzen.
Jahrhundertelang versteckt gehalten
Die Geschichte der Franziskus-Reliquien ist von Geheimnissen geprägt. Aus Angst vor Grabräubern wurde der Leichnam nach seinem Tod an einem versteckten Ort tief in der Erde vergraben und blieb dort fast 600 Jahre lang. Erst 1818 erhielten die Franziskaner von Papst Pius VII. die Erlaubnis, das Grab freizulegen.
Seitdem wurden die Gebeine mehrfach wissenschaftlich untersucht und auf Echtheit geprüft, zuletzt im Jahr 2015. Bislang konnten nur wenige Mönche bei einem Abendgebet die Reliquien sehen, während alle anderen Besucher sich mit dem Blick auf den schlichten Sarkophag begnügen mussten.
Italien feiert seinen Schutzpatron
Die Ausstellung dauert bis zum 22. März, doch die Feierlichkeiten gehen darüber hinaus. Papst Leo XIV. hat seinen Besuch in Assisi für Anfang August angekündigt. Das italienische Parlament hat zudem den 4. Oktober, den mutmaßlichen Todestag des Heiligen Franziskus, wieder zum gesetzlichen Feiertag erklärt.
Damit kehrt Italien zu einer Tradition zurück, die bis Mitte der 1970er Jahre bestand. Franz von Assisi gilt als Schutzpatron Italiens, und seine Verehrung erfährt durch diese historische Ausstellung eine neue Dimension. Die Stadt Assisi, ohnehin schon ein bedeutender Pilgerort, festigt damit ihre Position als spirituelles Zentrum von internationaler Bedeutung.



