Leere Kirchen in Mitteldeutschland: Denkmalschutz versus schwindende Gemeinden
Die großen Kirchen in Mitteldeutschland stehen vor einem gewaltigen Problem: Während die Mitgliederzahlen kontinuierlich sinken, müssen tausende denkmalgeschützte Gotteshäuser erhalten werden. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche sehen sich mit dieser Herausforderung konfrontiert, die nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa betrifft.
Dramatischer Mitgliederschwund bei konstanter Gebäudezahl
Barbara Perlich-Nitz, Projektmitarbeiterin beim Landeskirchenamt in Erfurt und Bauforscherin, verdeutlicht das Ausmaß des Problems mit eindrucksvollen Zahlen. Um das Jahr 1900 gab es auf dem Gebiet der heutigen Evangelischen Kirche Mitteldeutschland etwa 4.000 evangelische Kirchengebäude bei 4,8 Millionen evangelischen Christen. Heute existieren immer noch 3.900 Gebäude, doch die Mitgliederzahl ist auf lediglich 570.000 gesunken.
Die Bauforscherin arbeitet seit mehr als drei Jahren an der Umsetzung der Gebäudekonzeption der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland und betont: „99 Prozent der Gebäude in unserem Gebiet stehen unter Denkmalschutz.“ Dieser Denkmalschutz stellt die Kirchen vor immense finanzielle Herausforderungen, da der Erhalt der historischen Bausubstanz erhebliche Mittel verschlingt.
Neue Nutzungskonzepte als Lösung
Angesichts dieser Entwicklung werden kreative Lösungen dringend benötigt. Ein Beispiel für eine gelungene Umnutzung bietet die Kirche St. Johannes Baptist in Magdeburg, die heute kulturell genutzt wird. Solche Konzepte könnten wegweisend sein für viele weitere Kirchengebäude in Mitteldeutschland.
Die Situation erfordert ein Umdenken in der Kirchenpolitik und innovative Ansätze für die Zukunft. Ohne neue Nutzungsideen droht vielen denkmalgeschützten Kirchen der Verfall, da die schrumpfenden Gemeinden die finanziellen Lasten nicht mehr tragen können.



