Neuer Pastor in Warnemünde: Mit Ehemann im Pfarrhaus und offen für Vielfalt
Es gibt viel zu tun für Stephan Fey (51), den neuen evangelischen Pastor in Warnemünde. "Allein 50 Buchkisten müssen noch ausgepackt werden", sagt er in legerer Arbeitskleidung. Die Bücher gehören ihm und seinem Ehemann Dirk. Seit dem 1. Oktober 2025 ist Fey der Pastor im Ostseebad – nun sind beide endlich im Pfarrhaus angekommen.
Gelebtes Zeichen für Toleranz in der evangelischen Kirche
Ein gelebtes Zeichen für Offenheit und Toleranz, zumal Dirk Fey als Propst in der Nordkirche im Einsatz ist. In den Sommerferien wird er sein Büro in die obere Etage des Pfarrhauses verlegen. Stephan Fey ist stärker im Gemeindehaus am Kirchenplatz präsent. "Wir erleben eine breite Akzeptanz in der Gemeinde und spüren keinen Gegenwind", sagt Fey über seine offen gelebte Homosexualität. Unterschiedliche Haltungen könne er aber auch respektieren. Für ihn geht es in seinem Dienst um eine "ganzheitliche Ansprache der Menschen" und um "ein Miteinander, das Vielfalt einschließt".
Gut angekommen in der Gemeindearbeit
In der Gemeindearbeit sieht sich Pastor Fey gut angekommen. "Ich bin viel im Gespräch, baue Kontakte in der seit 1. Januar fusionierten Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Warnemünde-Lichtenhagen auf und koordiniere mit anderen die Zusammenarbeit im Nordwesten Rostocks", sagt er mit freundlichem Lächeln. Punktuell wirkt er auch in der Jugendarbeit des Kirchenkreises mit. "Langsam verstehe ich auch die Familienbezüge vor Ort", berichtet er.
Energetische Sanierung des Pfarrhauses
Parallel ist das Pfarrhaus nach Jahrzehnten innen saniert und energetisch aufgerüstet worden. Nach Angaben Feys gab es einen "Investitionsstau von knapp 40 Jahren". Nun sind in beiden Etagen etwa 20 Zentimeter Dämmung eingebracht, der untere Bereich komplett erneuert und frisch gestrichen. Das Ziel sind geringere Energiekosten im erhaltenswerten Altbau. Feys Vorgänger Harry Moritz hatte Warnemünde im vergangenen Sommer nach 21 Dienstjahren verlassen, um den Ruhestand in der Nähe von Hannover zu verbringen.
Gottesdienstliche Formate und Gemeindeleben
Gottesdienstlich setzt Pastor Fey, der wie sein Ehemann einst katholischer Ordensmann war, auf schlichte Formate: "Ich halte die Predigten eher kürzer – sechs bis acht Minuten. Das entspricht der heutigen Aufmerksamkeitsspanne." Gelegentlich nutze er aber auch "symbolische Handlungen", um den Glauben "sinnlich erfahrbar" zu machen. Doch zehn Jahre ist Fey, der aus dem Münsterland stammt und begeisterter Jogger ist, schon Protestant.
Seine Schäfchen kennt er. "In Warnemünde ist die Stammgemeinde sonntags mit etwa 50 Besucherinnen und Besuchern stabil", erzählt er. "Außerhalb der Saison kommen fünf bis zehn Urlauber hinzu, in der Saison bis zu 40." Spontane Gespräche mit Gästen ergeben sich oft aber auch am Schaukasten vor dem Pfarrhaus oder in der Kirche. Seelsorge bietet Fey aber auch Seeleuten an, die in Warnemünde Station machen und oft lange von der Familie getrennt sind.
Pläne für Ostern und den Sommer
Für den Sommer plant er gemeinsam mit der katholischen Kirchengemeinde Angebote vor der Kirche – Kinderaktionen und Gesprächszeiten mit Geistlichen –, dazu Mittagsgebete und abendliche Kulturformate in der Kirche. "Die Kontakte zur katholischen Seite sind sehr gut und kollegial", betont Fey. Doch jetzt ist erst mal Ostern dran.
Die Ostergottesdienste in Warnemünde:
- Gründonnerstag: Osterliturgie um 18 Uhr mit Gottesdienst
- Karfreitag: Gottesdienst mit Abendmahl um 10 Uhr, musikalisch gestaltete Andacht um 15 Uhr
- Karsamstag: Mittagsgebet zur Grabesruhe um 12 Uhr
- Ostersonntag: Gottesdienst und kleines Osterfeuer vor der Kirche ab 6 Uhr, danach Mitbringfrühstück im Gemeindehaus und Familiengottesdienst um 10 Uhr
- Ostermontag: Gottesdienst um 10 Uhr mit musikalischer Gestaltung durch den Kantor der Gemeinde
Als Stephan Fey zum Abschied einen Karton aufmacht, um eine sogenannte Kiepenkerl-Figur aus dem Münsterland zu zeigen, wirkt er wie ein Mensch, der nicht nur im Pfarrhaus angekommen ist, sondern auch bei sich selbst.



