Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler: Von Viecherlmessen und tierischer Spiritualität
Pfarrer Schießler: Viecherlmessen und Tierliebe in München

Wenn Hunde in die Kirche kommen: Ein Münchner Pfarrer und seine tierische Mission

Seine Viecherlmessen sind in ganz Deutschland berühmt und ziehen regelmäßig zahlreiche Tierbesitzer mit ihren vierbeinigen Gefährten an. Jetzt hat der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler ein neues Buch über Tierliebe und Spiritualität veröffentlicht. Im exklusiven Interview spricht der unkonventionelle Geistliche über München als besondere Hundestadt, Grobiane an der Leine und einen ganz besonderen Nachtfalter, der sein Leben bereichert hat.

Ein Pfarrer zwischen Tradition und Aufbruch

Der 65-jährige Rainer Maria Schießler, in Laim aufgewachsen, ist seit dem Jahr 1993 der katholische Pfarrer von St. Maximilian, der oft als „Notre-Dame an der Isar“ bezeichnet wird. Die Kirche befindet sich derzeit in Renovierung, doch das hält den bekannten Seelsorger nicht davon ab, seine ungewöhnlichen Gottesdienste fortzuführen. Wegen seiner unkonventionellen Herangehensweise gehört Schießler zu den bekanntesten Pfarrern in ganz Deutschland.

Sein Lebensweg ist ebenso vielfältig wie sein Wirken: Er jobbte einst als Wiesn-Bedienung, segnet homosexuelle Paare, feiert regelmäßig Viecherlmessen, kritisiert öffentlich die Amtskirche, lebt mit einer Frau zusammen und schreibt erfolgreiche Bücher. Sein Werk "Himmel, Herrgott, Sakrament" wurde sogar als Serie verfilmt, mit Stephan Zinner in der Rolle des "Pfarrer Reiser".

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"Engel auf vier Pfoten": Ein neues Kapitel tierischer Spiritualität

Das neueste Werk des produktiven Autors trägt den Titel "Engel auf vier Pfoten" und vertieft das Thema Tierliebe aus christlicher Perspektive. In dem Buch reflektiert Schießler über die besondere Beziehung zwischen Mensch und Tier und wie diese spirituell bereichernd wirken kann. Dabei zieht er auch persönliche Erfahrungen heran, etwa die Begegnung mit einem besonderen Nachtfalter, der für ihn zu einem Symbol der Verbundenheit mit der Schöpfung wurde.

Im Interview betont der Pfarrer, dass München eine besondere Stadt für Hundebesitzer sei, doch er beobachtet auch kritisch das Verhalten mancher Tierhalter. "Es gibt leider immer wieder Grobiane an der Leine, die vergessen, dass Respekt und Rücksichtnahme nicht nur unter Menschen, sondern auch im Umgang mit Tieren gelten müssen", so Schießler. Seine Viecherlmessen sollen daher nicht nur ein Ort des Segens sein, sondern auch der Bewusstseinsbildung für einen achtsamen Umgang mit allen Lebewesen.

Die Viecherlmesse: Mehr als nur ein tierischer Gottesdienst

Die regelmäßig stattfindenden Viecherlmessen in St. Maximilian haben sich zu einem festen Bestandteil des Münchner Kirchenlebens entwickelt. Hier kommen Hunde, Katzen, Kaninchen und sogar exotischere Haustiere zum Segen in die Kirche. Für Schießler ist dies ein wichtiger Ausdruck einer lebendigen, weltoffenen Gemeinde, die alle Geschöpfe Gottes einbeziehen möchte.

"Die Tiere sind für viele Menschen Familienmitglieder und Begleiter in schwierigen Zeiten", erklärt der Pfarrer. "Warum sollten sie dann nicht auch in der Kirche willkommen sein?" Diese Haltung spiegelt sich nicht nur in seinen Messen wider, sondern auch in seinem Engagement für Tierheime und artgerechte Haltung.

Mit seinem neuen Buch und den weiterhin stattfindenden Viecherlmessen setzt Rainer Maria Schießler ein Zeichen für eine Kirche, die nah an den Menschen – und ihren tierischen Gefährten – bleiben möchte. Sein Wirken zeigt, dass Spiritualität und Tierliebe keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig bereichern können.

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