Staatsanwaltschaft ermittelt: Pfarrer wegen Jugendporno-Verdacht gefeuert
Pfarrer wegen Jugendporno-Verdacht gefeuert

Pfarrer wegen Verdachts auf Jugendpornografie entlassen

Die evangelische Kirchengemeinde Schermbeck in Nordrhein-Westfalen hat ihren Pfarrer Daniel W. (39) fristlos entlassen. Grund dafür sind Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Duisburg wegen des Verdachts auf Besitz jugendpornografischer Schriften. Die Zentralstelle Cybercrime in Köln hatte die mutmaßlichen Taten bereits im Oktober registriert und die Akten an die Duisburger Behörde übergeben.

Durchsuchung des Pfarrhauses und Beschlagnahmung

Ende des vergangenen Jahres durchsuchten Polizeibeamte die Wohnung des Geistlichen im frisch renovierten Pfarrhaus von St. Georg in Schermbeck. Bei der Aktion wurden zahlreiche Datenträger beschlagnahmt, die nun forensisch ausgewertet werden. Wie die verbotenen Daten den Ermittlern bekannt wurden, teilte die Behörde nicht mit. Felix Bachmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg, bestätigte: „Wir führen seit dem 25. November 2025 ein Ermittlungsverfahren gegen einen ehemaligen Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Schermbeck wegen des Verdachts des Besitzes jugendpornografischer Schriften.“ Die Ermittlungen dauern an, und bis zum Abschluss gilt die Unschuldsvermutung.

Sofortige Reaktion der Kirchenleitung

Die Evangelische Kirche im Rheinland reagierte umgehend auf die Vorwürfe. Kirchensprecher Ekkehard Rüger erklärte: „Gegen die Pfarrperson gibt es Vorwürfe, die durch staatliche Stellen und durch die Evangelische Kirche im Rheinland geprüft werden. Während der Zeit der Prüfung nimmt die Pfarrperson ihren Dienst nicht wahr.“ Der Dienstherr schuf bereits Fakten – die Pfarrstelle soll neu besetzt werden. Laut Rüger gab es dazu eine „einvernehmliche Verständigung“ mit dem betroffenen Pfarrer.

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Biografische Hintergründe des Beschuldigten

Pfarrer Daniel W. hatte die Gemeinde in Schermbeck im Jahr 2021 übernommen. Der in Gladbeck im Ruhrgebiet aufgewachsene Geistliche studierte Theologie in Wuppertal und Münster. Sein Vikariat absolvierte er in den Gemeinden Raesfeld und Gemen, bevor er 2020 in Bielefeld zum Pfarrer ordiniert wurde. Vier Jahre lang versah er seinen Dienst in St. Georg in Schermbeck, wo er mit seiner Frau und zwei Kindern im Pfarrhaus lebte.

Offene Fragen und kommende Gemeindeversammlung

In welchem Umfang der Pfarrer in seiner Tätigkeit Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatte und ob es zuvor Beschwerden über sein Verhalten gab, wollte die Kirche zunächst nicht mitteilen. Superintendent Thomas Brödenfeld kündigte jedoch an, dass der Kirchenkreis Wesel am 8. März zu einer Gemeindeversammlung einlädt, um über die Vorgänge zu informieren. Bisher konnte weder der beschuldigte Pfarrer noch sein Anwalt für eine Stellungnahme erreicht werden.

Vergleichbarer Fall in der Nachbarstadt

Bereits ein Jahr zuvor war in der Nachbarstadt Dorsten ein katholischer Pfarrer zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Auch bei ihm hatten die Ermittler große Mengen an kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt. Dieser Fall zeigt, dass solche Vorwürfe auch in kirchlichen Kreisen nicht isoliert betrachtet werden können.

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