Schüler in Stralendorf gestalten persönliche Ausstellung zu religiöser Vielfalt
Schüler zeigen persönliche Glaubensgeschichten in Ausstellung

Persönliche Glaubensreisen: Stralendorfer Schüler zeigen religiöse Vielfalt

In der Aula des Gymnasialen Schulzentrums Stralendorf hängt zwischen Stellwänden und farbenfrohen Plakaten ein prägnanter Satz in großen Buchstaben: „Wähle deine eigene Religion selbst. Hauptsache, du tust das, bei dem du inneren Frieden fühlst.“ Diese Botschaft bildet das Herzstück einer außergewöhnlichen Ausstellung, die Schülerinnen und Schüler der elften Klasse im Rahmen ihres Religionskurses gestaltet haben. Es handelt sich nicht um eine trockene Theorie-Schau, sondern um eine sehr persönliche und berührende Reise durch verschiedene Glaubenswelten.

Begegnungen statt Lehrbuchwissen: Das Konzept hinter dem Projekt

Unter dem Oberthema „Religionen in ihrer Vielfalt“ entschieden sich die Jugendlichen bewusst gegen einen reinen Lehrbuchvergleich. Stattdessen suchte jeder Schüler eine Person aus dem eigenen Bekannten- oder Verwandtenkreis aus, führte ein ausführliches Interview mit 20 Fragen zum persönlichen Glauben und filterte für die Präsentation vier zentrale Kernaussagen heraus. Ergänzt werden diese durch ansprechende Steckbriefe und Fotos, die den individuellen Charakter jedes Beitrags unterstreichen.

Religionslehrerin Kathrin Joeck erläutert die pädagogische Intention: „Die Schüler und Schülerinnen sollten sich einen ganz persönlichen Zugang zu Religion erarbeiten. Dies dient auch dazu, mehr Akzeptanz für andere Religionen zu entwickeln und diese Einsichten anderen Schülern der Schule zugänglich zu machen. Deshalb ist die Ausstellung für alle an der Schule geöffnet.“ Das Projekt zielt somit nicht nur auf Wissensvermittlung, sondern aktiv auf die Förderung von Respekt und Toleranz im schulischen Alltag.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Vielfältige Stimmen: Von Christentum bis Buddhismus

Unter den insgesamt 20 dokumentierten Interviews finden sich überwiegend christliche, evangelische Perspektiven, doch die Bandbreite ist bemerkenswert weit gefächert. So kommen auch eine Buddhistin, ein Muslim und ein orthodoxer Christ zu Wort. Trotz der unterschiedlichen religiösen Hintergründe ziehen sich verbindende Gedanken wie Liebe, Respekt und Zusammenhalt wie ein roter Faden durch viele der geführten Gespräche.

Die 16-jährige Maya interviewte eine Lehrerin, von der sie wusste, dass sie einen besonderen christlichen Glauben pflegt. „Sie ist gläubig, hat aber auch einige andere spirituelle Wege beschritten. Und das hat sie im Interview sehr klar erklärt“, berichtet Maya. Ihre Gesprächspartnerin formulierte es so: „Glaube ist für mich etwas, was alle Menschen irgendwo vereint.“ Ob Jesus Christus, Allah oder der Glaube an sich selbst – das Phänomen Glaube stecke in allen. Als Symbol nannte sie Flügel: „Wenn du an das Ganze glaubst und daran festhältst, dann verleiht es Flügel.“

Tiefe Einblicke in buddhistische und islamische Traditionen

Anna fand ihre Interviewpartnerin in der eigenen Familie und tauchte intensiv in den Buddhismus ein. „Es ist eine sehr spannende Religion“, resümiert sie. Die buddhistische Praxis der Selbstreflexion, um „mit sich ins Reine zu kommen und nett zu anderen zu sein“, beeindruckte sie nachhaltig. Ein Religionswechsel komme für sie zwar nicht infrage, aber „sich ein paar gute Eigenschaften auszusuchen und zu übernehmen, ist nicht verkehrt“.

Elisabeth befragte ihren Freund Hamza zum Islam. Obwohl die beiden schon viele Gespräche geführt hatten, gingen sie für das Projekt noch einmal in die Tiefe. Auf die Frage, ob er sich einen Religionswechsel vorstellen könne, antwortete Hamza überzeugt: „Ich denke nicht, der Islam wird immer meine Religion bleiben.“ Aufgewachsen in dieser Tradition, geprägt von Familie und Kultur, habe er „schon immer daran geglaubt, dass es einen Gott gibt, und genau das hilft mir.“ Besonders wichtig ist ihm der Ramadan: „Wir fasten, um bedürftige Menschen zu verstehen.“ Sein zentraler Wunsch: „Mein einziger Wunsch ist, dass alles, was Gott erschaffen hat – der Mensch, das Tier, die Pflanze – respektiert wird.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Rationale Perspektiven und die Kraft des Dialogs

Nicht alle Schüler identifizieren sich selbst mit einer religiösen Überzeugung. Emil bekennt offen: „Ich bin ein rationaler Mensch und kann mit Religion und Glauben wenig anfangen.“ Dennoch habe ihn interessiert, „was andere Menschen im Glauben sehen und finden“. Manche fänden Trost, andere Orientierung – diese Erkenntnis war für ihn besonders wertvoll.

Für die meisten beteiligten Jugendlichen ist die Ausstellung deutlich mehr als ein bloßes Schulprojekt. Sie bildet ein lebendiges Mosaik aus sehr persönlichen Überzeugungen und Erfahrungen, das noch für einige Zeit in der Aula der Schule zu sehen sein wird. Durch den authentischen und respektvollen Dialog gelingt es den Schülern, Religion nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern greifbar und erfahrbar zu machen – ein wichtiger Beitrag zu einem toleranten Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft.