Warum der Blick nach vorne unser Leben lenkt: Ein Wort zum Sonntag aus Malchin
Zu jeder Zeit benötigen Menschen Hoffnung und Zuversicht. Um ihnen Halt und Orientierung zu bieten, melden sich an dieser Stelle Pastoren und kirchliche Mitarbeiter der Region zu Wort. Heute spricht Markus Hasenpusch, Pastor in der evangelischen Kirchengemeinde Malchin-Hohen Mistorf, über eine grundlegende Lebensweisheit.
Die Fahrschulerfahrung: „Du fährst, wohin du siehst“
Als ich vor vielen Jahren in der Fahrschule meinen Autoführerschein machte, ereigneten sich in der Gegend, in der ich damals lebte, auf den Alwegen zahlreiche – oft tödliche – Unfälle durch Kollisionen mit Bäumen. Ein Satz meines Fahrschullehrers hat sich mir tief eingeprägt: „Du fährst, wohin du siehst“.
Man nennt dieses Phänomen auch „Target Fixation“ oder „Blickführung“. Mein Fahrlehrer wollte mir damit verdeutlichen: Wenn ich in einer gefährlichen Situation auf einer Allee auf einen Baum starre, werde ich höchstwahrscheinlich genau dagegenfahren. Grundsätzlich sollte man beim Autofahren den Blick weiter nach vorne richten. Das hilft, die Spur zu halten und Hindernisse rechtzeitig zu erkennen.
Die biblische Perspektive: Der Blick beim Pflügen
Wohin ich meinen Blick richte, ist also von entscheidender Bedeutung – nicht nur beim Autofahren. Im Bibelwort, das über die kommende Woche steht, sagt Jesus zu einem, der ihm zwar nachfolgen, aber sich erst noch zu Hause verabschieden will: „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lk 9,62).
Ich finde, das ist eine ziemlich harte Aussage. Da beschließt jemand, alles aufzugeben, um mit Jesus durchs Land zu ziehen – ohne feste Unterkunft, ohne sicheres Auskommen und ohne Gewissheit über den Ausgang des Unternehmens. Da erscheint es doch als das Mindeste, dass er sich von seinen Lieben vernünftig verabschiedet, oder? Aber Jesus sagt ihm klar: „Tut mir leid, dann bist du hier nicht richtig“.
Die Bedeutung der Blickausrichtung im Alltag
Beim Pflügen mit dem Pferd oder mit dem Traktor – sofern nicht das GPS alles übernimmt – ist es essenziell, nach vorn zu schauen, um gerade Furchen in gleichmäßigen Abständen zu ziehen. Wer dabei zurücksieht, pflügt schnell schief und krumm. Das verdirbt nicht nur das optische Bild, sondern hat auch ernste Folgen für Aussaat und Ernte.
Die Ausrichtung meines Blickes ist entscheidend dafür, wohin ich gehe, und das gilt für alle Bereiche unseres Lebens. Wenn ich immer nur auf das starre, was einmal war, habe ich keine Augen für das Hier und Jetzt und erst recht nicht für das Morgen.
Hänge ich ständig an dem, was früher einmal so gut, schön und vermeintlich besser war, kann ich das Gute von heute nicht wahrnehmen. Ich verbaue mir damit auch die Möglichkeit, jetzt etwas Positives zu bewirken. Dann bin ich in der Rückschau auf das Frühere so gefangen, dass ich gar nicht in der Lage bin, mich dafür einzusetzen und einzubringen, dass auch die Zukunft gut und lebenswert gestaltet wird.
Anwendung auf unser gesellschaftliches Miteinander
Diese Prinzipien gelten für alle Lebensbereiche: für das Miteinander in unseren Familien, in unseren Gemeinden, in Vereinen und in der gesamten Gesellschaft. Das Vergangene in Erinnerung zu behalten – mit allen seinen Facetten – ist richtig und wichtig. Aber es soll uns nicht gefangenhalten. Sonst ziehen wir krumme Furchen, die unsere Zukunft beeinträchtigen.
Abschließend möchte ich den Satz meines Fahrlehrers wiederholen, der über die reine Fahrpraxis hinausweist: „Du fährst, wohin du siehst“. Mögen wir unseren Blick mutig nach vorne richten, um eine gute und lebenswerte Zukunft zu gestalten.
Ihr Pastor Markus Hasenpusch aus Malchin



