Heiner Wilmer neuer DBK-Vorsitzender: Pilger zwischen Reformen und Konservativen
Wilmer neuer Chef der Bischofskonferenz - Reformen in Sicht?

Neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz: Wilmer als Pilger in stürmischen Gewässern

Polyglotter Schöngeist, Bauernsohn aus dem Emsland und versierter Kenner der Vatikanstrukturen: Heiner Wilmer ist der neue Mann an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Der 64-jährige Bischof von Hildesheim wurde in Würzburg gewählt und steht vor der Herkulesaufgabe, die zerstrittene katholische Kirche in Deutschland zu einen.

Bescheidener Auftakt mit friedenspolitischer Klarheit

Sein erster Auftritt als Vorsitzender wirkte zurückgenommen und defensiv. »Ich bin ein Pilger auf dem Weg«, sagte Wilmer vor versammelten Journalisten. Doch der Job verlangt politisches Feingefühl und kräftige Ellenbogen in einer Kirche, in der Reformer und Reaktionäre mit harten Bandagen kämpfen. Zum Jahrestag des Ukraine-Kriegs fand Wilmer klare Worte: »Vier Jahre voller Leid, Zerstörung und Tränen« prangerte er an und forderte: »Dieser Krieg braucht ein Ende, jetzt.« Als ehemaliger Vorsitzender von Justitia et Pax liegt ihm das Friedensthema am Herzen.

Vorsichtige Töne bei brisanten Themen

Doch bei anderen drängenden Fragen blieb der neue DBK-Chef auffallend vage. Zur mangelhaften Missbrauchsaufarbeitung und der stärkeren Beteiligung von Frauen verwies er auf den Heiligen Geist – wenig ermutigend für engagierte Katholikinnen. Dabei hat Wilmer in seinem Bistum Frauen gezielt in Leitungspositionen gebracht und sich früher sogar Ärger mit der Aussage eingehandelt, der Missbrauch stecke »in der DNA der Kirche«.

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Mathias Katsch von der Betroffenenorganisation »Eckiger Tisch« kritisiert: »Wilmer hat die großen Hoffnungen der Missbrauchsbetroffenen in seinem Bistum leider nicht erfüllt.« Der Bischof habe sich bei Entschädigungsverfahren auf Verjährung berufen und viele vor den Kopf gestoßen.

Brückenbauer zwischen Rom und Deutschland

Die Wahl des »Pilgers« kam nicht überraschend. Wilmer gilt als moderater Reformer mit exzellenten Verbindungen nach Rom. Er spricht fließend Italienisch, war Generaloberer eines Männerordens und hat sich mit Papst Leo XIV. über den umstrittenen »Synodalen Weg« ausgetauscht. Kirchenrechtler Thomas Schüller urteilt: »Wilmer war eine kluge, clevere Wahl.« Der Hildesheimer genieße in Rom hohes Ansehen und sei wenig polarisierend.

Doch die Gräben in der deutschen Kirche sind tief. Konservative Bischöfe aus Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt haben den »Synodalen Weg« boykottiert und in Rom diskreditiert. Unter Wilmers Vorgänger Georg Bätzing verschlechterte sich das Verhältnis zum Vatikan deutlich. »Ob es ihm gelingt, erzkonservative Outlaws wie Kardinal Woelki oder Rudolf Voderholzer zu bändigen, wird sich erst zeigen«, sagt Schüller.

Bauernsohn mit weltgewandtem Profil

Wilmer verbindet Bodenständigkeit mit Welterfahrung. Der Sohn eines Bauern aus Schapen im Emsland spricht Plattdeutsch, studierte in Rom und Paris, lebte in Kanada und New York. Auf seine norddeutsche Herkunft angesprochen, wurde er in Würzburg locker: »Wir machen das mit Schmackes und einer steifen Brise im Haar.«

Der Schöngeist liebt Literatur, lobt Charles Bukowski und hat selbst Bücher geschrieben wie »Gott ist nicht nett«. Die Theodizee-Frage treibt ihn um: »Wenn Gott allmächtig ist, wieso greift er nicht ein und beendet das Leid?« Diese melancholische Seite offenbart einen Mann, der nicht auf alle Fragen Antworten hat.

Herausforderungen in polarisierter Kirche

Der neue DBK-Vorsitzende muss multiple Krisen bewältigen: den Konflikt zwischen Ortskirche und Weltkirche, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt, die Stärkung von Frauenrechten und den Umgang mit politischen Positionierungen. Immerhin hatte die Bischofskonferenz unter Bätzing 2024 die AfD als nicht wählbar für Christen bezeichnet – eine wichtige Orientierung in Zeiten autokratischer Tendenzen.

Schüller warnt: »Die verschiedenen Fraktionen werden bald damit beginnen, den neuen Vorsitzenden zu ›verzwecken‹.« Wird sich der Ordensmann mit dem vermeintlich dicken Fell vereinnahmen lassen? Wilmers Antwort könnte von Bukowski inspiriert sein: »Am wichtigsten ist, wie gut du durch das Feuer gehst.« Ob sein Amt ein großes oder kleines Abenteuer wird, bleibt abzuwarten.

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