Heiner Wilmer neuer DBK-Vorsitzender: Katholische Kirche sucht nach vorn
Wilmer neuer Chef der Bischofskonferenz

Heiner Wilmer führt Deutsche Bischofskonferenz in neue Ära

Die katholische Kirche in Deutschland hat ein neues Gesicht an ihrer Spitze: Heiner Wilmer, Bischof von Hildesheim, wurde in Würzburg zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt. Der 64-Jährige tritt damit die Nachfolge von Georg Bätzing an und übernimmt die Führung in einer für die Kirche schwierigen Zeit.

Spiritueller Auftakt mit vagen Reformsignalen

In seiner ersten Ansprache nach der Wahl zeigte sich Wilmer vor allem spirituell geprägt. „Wir haben viel gerungen, doch es geht nach vorn“, betonte der neue DBK-Chef. Die katholische Kirche habe zwar Probleme und Herausforderungen zu bewältigen, doch die Gläubigen vor Ort seien „gut drauf“. Von dieser Energie lasse er sich als Bischof anstecken.

Konkrete politische Vorhaben oder Reformschritte nannte Wilmer hingegen nicht. Stattdessen zitierte er aus dem Weihnachtsevangelium nach Lukas: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“. Einzige konkrete politische Stellungnahme betraf den Ukraine-Krieg, dessen vierter Jahrestag gerade begangen wird. Dieser Krieg bedeute vier Jahre „voller Leid, voller Zerstörung, voller Tränen“ und brauche ein Ende.

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Vage Positionen zu Frauen und Reformthemen

Bei den drängenden innerkirchlichen Reformfragen blieb Wilmer zurückhaltend. Auf die Frage nach einer stärkeren Rolle von Frauen in der männerdominierten Kirche verwies er lediglich auf die von Papst Franziskus initiierte Weltsynode. Er begrüße, dass dort das Thema Frauen in Ämtern und Diensten auf der Tagesordnung stand, und betonte seinen Glauben daran, dass „auch heute der Heilige Geist wirkt“.

Dabei gilt Wilmer im Vergleich zu anderen deutschen Bischöfen als fortschrittlich. In seinem Bistum Hildesheim werden alternative Leitungsmodelle erprobt, und er hat sich in der Vergangenheit für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral eingesetzt. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare begrüßte er ausdrücklich.

Reformdruck und Mitgliederschwund

Die Präsidentin des Zentralkomitees der Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, gratulierte Wilmer mit deutlichen Worten: „Wir brauchen Ihr Herz für Reform und Zusammenhalt“, schrieb sie und wünschte ihm „Mut zu anstehenden Veränderungen und ein spürbares Herz für weitere Reformen in der Kirche“.

Der Druck für Veränderungen ist groß. In den vergangenen Jahren haben die Bischofskonferenz unter Bätzing und das ZdK im Synodalen Weg um Reformen gerungen, wobei konservative Bischöfe und die Kurie in Rom immer wieder skeptisch reagierten. Gleichzeitig verliert die katholische Kirche in Deutschland rapide an Mitgliedern – jedes Jahr mehrere Hunderttausend. Zuletzt fiel die Mitgliederzahl unter die Marke von 20 Millionen.

Balanceakt zwischen Tradition und Erneuerung

Wilmer positioniert sich als Brückenbauer. Einerseits setzt er sich stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist. Andererseits zeigt er Offenheit für Reformen. Publizistisch trat er vor etwa eineinhalb Jahren mit dem spirituellen Werk „Herzschlag“ über die jüdische Tagebuch-Autorin Etty Hillesum in Erscheinung.

Wie es jetzt weitergeht, ließ der neue DBK-Vorsitzende offen. Synodalität sei die Grundform der Kirche, sagte er lediglich, und zeigte sich in dieser Hinsicht zuversichtlich. Wesentliche Entscheidungen liegen jedoch weiterhin beim Vatikan, der die deutschen Reformbemühungen in Fragen der Sexualmoral und anderen Themen stets kritisch begleitet hat.

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