Wovon lassen wir uns verführen? Ein Wort zum Sonntag aus Pasewalk
Wovon lassen wir uns verführen? Gedanken aus Pasewalk

Wovon lassen wir uns eigentlich verführen? Ein Wort zum Sonntag aus Pasewalk

Welche Versprechen treiben uns an und welche tun uns nicht gut? Diese Fragen stellt Pfarrer Dschin-U Oh aus dem Pfarrsprengel Pasewalk-Jatznick in seinem aktuellen Wort zum Sonntag. Seine Überlegungen führen von biblischen Erzählungen direkt in unsere heutige Zeit.

Biblische Verführungsgeschichten als Spiegel unserer Zeit

Im Alten Testament findet sich gleich nach der Schöpfungsgeschichte eine bedeutsame Verführungsgeschichte. „Ihr werdet sein wie Gott“, flüstert die Schlange im Paradies dem ersten Menschenpaar zu. Sie verspricht, dass Adam und Eva nur eine schmackhafte Frucht vom Baum der Erkenntnis essen müssten, obwohl Gott sie davor gewarnt hatte. Die Verführung klingt harmlos und verlockend – und die beiden greifen zu. Sie wollen mehr Erkenntnis, mehr Kontrolle und mehr Selbstbestimmung.

Auch im Neuen Testament begegnet uns bereits auf den ersten Seiten eine ähnliche Geschichte. Jesus befindet sich am Beginn seines Weges, allein und hungrig in der Wüste. Der teuflische Versucher flüstert ihm zu: „Mach doch aus Steinen Brot. Beweise, wer du bist. Nimm dir die Macht.“

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Versuchung kommt selten dramatisch daher

Beide biblischen Erzählungen zeigen ein wichtiges Muster: Versuchung tritt selten dramatisch in Erscheinung. Sie flüstert leise, macht verlockende Versprechungen und klingt oft sogar vernünftig. Du könntest mehr aus dir machen. Du darfst nichts verpassen. Sichere dich ab. Zeig, was du kannst. Diese inneren Stimmen kennen wir alle nur zu gut.

Wir leben in einer Epoche, in der scheinbar alles möglich ist. Mehr Leistung, mehr Konsum, mehr Sichtbarkeit werden uns täglich vorgehalten. Doch parallel dazu wächst bei vielen Menschen eine tiefe Erschöpfung. Vermutlich, weil wir auf zu viele dieser Versprechen hören und ihnen nachjagen.

Jesus zeigt einen anderen Weg

Jesus entscheidet sich in der Wüste bewusst anders. Er muss nicht alles beweisen, nicht jede Möglichkeit ausschöpfen. Er vertraut darauf, dass sein Leben bereits wertvoll genug ist, ohne ständige Selbstoptimierung oder äußere Bestätigung.

Fastenzeit als Zeit des Innehaltens

Am vergangenen Mittwoch hat in den Kirchen die Fastenzeit begonnen. Diese vierzig Tage laden uns ein, genauer hinzuhören: Welche Stimmen bestimmen eigentlich mein Leben? Welche Versprechen treiben mich an? Und welche tun mir nicht wirklich gut?

Fasten bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur, weniger zu essen oder auf Süßigkeiten zu verzichten. Es kann auch heißen: weniger Druck zuzulassen, sich weniger mit anderen zu vergleichen und weniger getrieben zu sein. Denn nicht jedes „Mehr“ macht das Leben tatsächlich reicher oder erfüllter.

Oft beginnt wahre Freiheit genau an dem Punkt, wo wir lernen, bewusst Nein zu sagen – zu überzogenen Erwartungen, zu ständiger Verfügbarkeit und zu dem Druck, immer mehr erreichen zu müssen. Pfarrer Oh ermutigt dazu, in der Fastenzeit diese inneren und äußeren Verführungen zu erkennen und bewusster mit ihnen umzugehen.

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