70 Jahre gemeinsames Leben: Eine Begleitung wird zur großen Liebe
Eigentlich sollte es nur ein einfacher Auftrag sein: Kurt Rinkleib sollte die junge Elfriede zu einer Hochzeit begleiten. Doch aus dieser Begleitung wurde ein gemeinsames Leben, das nun seit sieben Jahrzehnten andauert. Am 31. März 1956 gaben sich Elfriede und Kurt Rinkleib das Ja-Wort – sie war 19, er 21 Jahre alt. Heute feiern sie ihre Gnadenhochzeit und blicken auf ein bewegtes Leben zurück.
Der Anfang in bescheidenen Verhältnissen
„Meine Schwester hat mich bekniet, das zu machen“, erinnert sich Kurt Rinkleib mit einem Schmunzeln an den Beginn ihrer Beziehung. Die Einladung zur Hochzeit von Elfriedes Cousine wurde zum Startpunkt ihrer gemeinsamen Geschichte. Schnell entwickelte sich aus der Begleitung Liebe, und bald war die erste Tochter Brigitte unterwegs. Die Hochzeit folgte prompt.
Die Anfänge waren von Bescheidenheit geprägt. „Wir waren ja beide arm“, erzählt Rinkleib. „Wir hatten uns, unsere Tochter und sonst nichts.“ Zunächst zogen die drei in Elfriedes Elternhaus ein, wo bereits sechs Erwachsene und ein Kind lebten. Die beengten Verhältnisse prägten ihre erste Zeit als Ehepaar.
Aufbau eines gemeinsamen Lebens
Als im November 1957 Sohn Frank geboren wurde, erhielten sie endlich eine eigene Unterkunft: eine Schlafkammer mit Küche unterm Dach in Wolferstedt. Rinkleib, der auf dem Thälmannschacht in Eisleben arbeitete, entschied sich für eine berufliche Weiterbildung. „Ich musste sehen, dass ich mehr verdiene“, erklärt er seinen Antrieb. In drei Jahren machte er seinen Meister – zweimal wöchentlich, immer vor oder nach der Schicht.
1961 verbesserten sich die Wohnverhältnisse durch einen Umzug in die Teichgasse. Doch auch dieses Haus erforderte viel Arbeit. „Da musste man aber erst mal was Bewohnbares draus machen“, so Rinkleib. Die Gelegenheit, ein Grundstück in derselben Straße zu kaufen, nutzten sie schließlich für den Bau eines eigenen Hauses – alt, aber mit Garten und Stall.
Familienleben und Engagement
1966 und 1970 kamen zwei weitere Kinder – Maik und Beate – zur Welt. Rinkleib zieht noch heute den Hut vor seiner Frau: „Sie hat immer gearbeitet, dazu die Kinder, der Haushalt, die Tiere...“ Die Familie rackerte sich ab, um sich etwas aufzubauen. Für die Jugendweihen der älteren Kinder fütterte Rinkleib Rinder und Schweine, um die Feiern finanzieren zu können. Auch bei der LPG halfen sie mit, Rüben zu hacken und bei der Ernte.
Doch das Leben bestand nicht nur aus Arbeit. „Aber wenn Tanz war oder andere Veranstaltungen, dann waren wir auch dabei – wir haben alles mitgenommen“, erzählt Rinkleib, der etliche Jahre Bürgermeister in Wolferstedt war. In dieser Zeit engagierte er sich besonders für den Bau der Trinkwasserleitung – in Feierabendarbeit und mit viel Eigenleistung.
Die Zeit nach der Wende
Mit der Wende änderte sich vieles: Elfriede wurde arbeitslos, Kurt ging mit 55 in den Vorruhestand. „Von da an gab's uns nur noch im Doppelpack, wir haben alles nachgeholt, was vorher nicht ging, weil ich ständig unterwegs war“, berichtet Rinkleib. Die neu gewonnene Zeit nutzten sie für zahlreiche Hobbys und ehrenamtliche Tätigkeiten.
Sie betreuten die Ortsgruppe der Volkssolidarität in Wolferstedt, waren im Heimatverein Allstedt aktiv und organisierten jahrelang das Theaterspektakel beim Sommerfest in Winkel. Kurt schrieb die Stücke, Elfriede kümmerte sich um die Ausstattung. Ihre Leidenschaften führten zu besonderen Erfolgen: Sie holte Landesmeistertitel als Kaninthenzüchterin, er machte mit Riesentomaten aus dem eigenen Garten Schlagzeilen.
Reisen und heutiges Leben
Die Welt erkundeten sie auf Reisen nach Mallorca, Malta, Griechenland und Südspanien. Heute leben die Rinkleibs im Seniorenheim in Allstedt, wo sie oft Besuch erhalten und regelmäßig nach Wolferstedt zurückkehren. „Wir sind nicht nur versorgt, sondern auch umsorgt“, stellt Rinkleib zufrieden fest. Ihre 70-jährige Ehe ist ein Zeugnis von Beständigkeit, Liebe und gemeinsamer Bewältigung aller Lebenslagen.



