Historisches Soziales Haus in Altentreptow steht vor umfassender Sanierung
Das barocke Gebäude in der Mühlenstraße 1 in Altentreptow, bekannt als „Soziales Haus Altentreptow“, benötigt dringend eine grundlegende Modernisierung. Das historische Haus aus dem Jahr 1770, das im Besitz der Kirche ist und vom Kreisdiakonischen Werk Greifswald betrieben wird, zeigt deutliche Altersspuren. Besonders die veralteten Sanitäranlagen und zahlreiche Barrieren behindern die Arbeit als sozialer Treffpunkt.
Wechselvolle Geschichte des barocken Gebäudes
Jan Holten vom Kreisdiakonischen Werk Greifswald berichtet über die bewegte Vergangenheit des Hauses: „Während der NS-Zeit sollte hier ein Landjahrheim für Mädchen entstehen, später lebten Familien in dem Gebäude.“ Anfang der 1990er Jahre übernahm das damalige Kreisdiakonische Werk Demmin das Haus und richtete eine soziale Begegnungsstätte ein. Seit 2011 wird es vom Werk in Greifswald geführt, das einen Pachtvertrag bis 2066 hat.
Seit elf Jahren betreibt das Werk dort eine Tagesstätte, die sich zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Menschen in schwierigen Lebenslagen entwickelt hat. Neben der Tages- und Beratungsstätte gibt es seit März auch eine Schuldnerberatungsstelle. „Wir sind ein Tagestreffpunkt für Menschen in Not“, betont Holten, „aber unsere Entwicklung wird durch die maroden Sanitäranlagen gebremst.“
Marode Sanitäranlagen und Barrieren als Hauptproblem
Die Toilettenräume für Frauen und Männer erinnern mit ihren Holzkabinen an den Charme der 1970er Jahre, sind aber inzwischen völlig veraltet. Beim Urinalbecken funktioniert die Spülung nicht richtig, weil zu viel Wasser aus dem Zapfhahn läuft. Die größte Herausforderung stellen jedoch die zahlreichen Barrieren dar, die Menschen mit körperlichen Behinderungen den Zugang zum Sozialen Haus erschweren oder sogar unmöglich machen.
Das Erdgeschoss des Hauses wurde durch eine Zwischenwand in zwei Räume geteilt, wovon der hintere heute als Essensraum dient. Diese Aufteilung entspricht nicht mehr den Anforderungen eines modernen sozialen Treffpunkts, der Menschen unterstützen, einladen und zusammenbringen möchte.
Umfassende Modernisierungspläne mit hohem Finanzbedarf
Das Kreisdiakonische Werk plant eine grundlegende Modernisierung des Erdgeschosses. Die Sanitäranlagen sollen vollständig erneuert werden, Barrieren abgebaut und der Haupteingang mit einer festen Rampe ausgestattet werden. Auch die Zwischenwand im Erdgeschoss soll entfernt werden, um Platz für einen Saal zu schaffen, in dem künftig Veranstaltungen bis hin zu Aufführungen stattfinden können.
Für diese umfangreichen Sanierungsmaßnahmen rechnet das Werk mit einer Bausumme von rund 104.000 Euro. „Von der öffentlichen Hand ist leider keine Unterstützung möglich, weshalb wir selbst aktiv werden müssen“, erklärt Jan Holten.
Spendenkampagne für barrierefreie Sanitärräume
Um die notwendigen Mittel zusammenzubringen, hat das Kreisdiakonische Werk auf der Sparkassen-Plattform „99Funken“ einen Spendenaufruf unter dem Titel „Barrierefreie Sanitärräume“ gestartet. „Wir möchten einen lebendigen Treffpunkt für die Zukunft Altentreptows schaffen“, so Holten. „Damit das Wirklichkeit werden kann, müssen bei der Spendenaktion mindestens 8.000 Euro zusammenkommen.“
Falls dieses Ziel nicht erreicht wird, werden alle Spenden an die Unterstützer zurückgezahlt. Bisher sind bereits über 2.000 Euro gespendet worden. Auf der Plattform ist auch ein Projektfilm zu finden, der die aktuelle Situation im Sozialen Haus dokumentiert.
Das Werk kann auf mehrere Förderer zählen, darunter den Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis und private Unterstützer. Auch die Hermann-Reemtsma-Stiftung hat Unterstützung in Aussicht gestellt, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Gesamtfinanzierung gesichert ist.
Die Sanierung des Sozialen Hauses Altentreptow ist nicht nur eine bauliche Maßnahme, sondern ein wichtiger Schritt zur Schaffung eines wirklich inklusiven und barrierefreien sozialen Treffpunkts für die gesamte Gemeinde.



