Bürokratie-Wahnsinn: Sportlerin muss Amputation mehrfach nachweisen
Bürokratie-Wahnsinn: Amputation muss nachgewiesen werden

Absurder Behördenfall: Para-Sportlerin muss Amputation dokumentieren

Es sind Geschichten, die nicht nur Wut und Fassungslosigkeit auslösen, sondern auch grundlegende Systemfehler in Deutschlands Verwaltung offenbaren. In der aktuellen Folge der Sat.1-Dokureihe „RONZHEIMER – Wie geht’s, Deutschland?“ beleuchtet BILD-Vize Paul Ronzheimer den bürokratischen Irrsinn, mit dem sich Menschen mit Behinderung konfrontiert sehen. Ein besonders krasser Fall ist der von Flora Kliem aus Göttingen in Niedersachsen.

Der Kampf um eine Sportprothese

Die 27-jährige Para-Bogenschützin, die 2023 ihr linkes Bein knieabwärts amputieren ließ, nachdem sie seit einem schweren Unfall 2013 unter chronischen Schmerzen litt, ist eine erfolgreiche Sportlerin. Sie nahm sogar an den Paralympics 2024 in Paris teil. Doch als sie bei ihrer Krankenkasse eine Sportprothese beantragte, erhielt sie eine Antwort, die an Absurdität kaum zu überbieten ist.

„Ich habe eine Sportprothese beantragt und da ist ja klar, dass mein Bein amputiert ist“, erklärt Flora Kliem im Gespräch mit Paul Ronzheimer. Der Krankenkasse war dies offenbar nicht klar genug, denn sie forderte die Sportlerin auf, ihre Amputation in insgesamt 13 Punkten nachzuweisen.

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13 Punkte für das Offensichtliche

Flora Kliem hält den Brief der Krankenkasse in der Hand und zählt die geforderten Unterlagen auf: „1, 2, 3, 4 ... 13 Punkte insgesamt! Ich brauche ein aktuelles Gutachten von meinem Facharzt. Warum muss ich meiner Krankenkasse beweisen, dass mein Bein amputiert ist? Denen liegen doch alle Unterlagen vor. Und eigentlich ist ja klar, dass mein Bein jetzt nicht wieder nachgewachsen ist...“

Diese Situation ist kein Einzelfall, sondern steht exemplarisch für die Hürden, mit denen viele Menschen mit Behinderung in Deutschland kämpfen müssen. „Alle Menschen mit Behinderung wissen, dass die Bürokratiegänge exponentiell steigen mit der Behinderung“, sagt Flora. „Das ist Wahnsinn, was man da ableisten muss. Das ist fast wie ein Nebenjob, den man hat.“

Digitalisierungsdefizit als Ursache

Paul Ronzheimer fasst den Fall zusammen: „Es ist bewundernswert, wie Flora Kliem mit ihrer Behinderung umgeht – trotz aller Schwierigkeiten mit den Behörden.“ Die Papierflut, undurchschaubare Gesetze und der Regelwahnsinn sind laut Ronzheimer vor allem das Ergebnis einer verschleppten Digitalisierung in Deutschland.

Aktuell belegt Deutschland im EU-Ranking zur Digitalisierung der Verwaltung lediglich Platz 21, während Malta die Spitzenposition einnimmt. Diese Rückständigkeit führt zu ineffizienten Prozessen und belastet insbesondere vulnerable Gruppen wie Menschen mit Behinderung.

Ein System, das reformbedürftig ist

Der Fall von Flora Kliem zeigt deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Nicht nur im Bereich der Digitalisierung, sondern auch in der Sensibilisierung und Vereinfachung von Verwaltungsabläufen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Energie, die für das Durchsetzen berechtigter Ansprüche aufgewendet werden muss, sollte stattdessen in die Rehabilitation und Teilhabe fließen können.

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