Caritas schließt Betreuungsverein in Waren: Chronische Unterfinanzierung führt zum Aus
In der Müritzstadt Waren hat die Caritas ihren Betreuungsverein in der Kietzstraße schließen müssen. Diese Entscheidung betrifft direkt 135 Menschen aus der Region, die dort bisher Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen fanden. Die Schließung erfolgte bereits zu Monatsbeginn und stellt einen weiteren Rückschlag für das soziale Angebot in Mecklenburg-Vorpommern dar, nachdem kürzlich bereits eine Anlaufstelle für Suchtkranke in Malchow ihre Türen schließen musste.
Betreute Menschen werden nicht zurückgelassen
Achim Rizvanim, kommissarischer Leiter und Referent des Caritasverbandes für das Erzbistum Hamburg, betonte gegenüber dem Nordkurier, dass keiner der 135 betreuten Personen zurückgelassen werde. „Bis zu einer Betreuungsübergabe an interne oder auch externe Betreuer werden wir die uns anvertrauten Menschen verantwortungsvoll begleiten“, versicherte Rizvanim. Allerdings blieben konkrete Details zum Übergabeprozess und zum Zeitpunkt dieser Maßnahme vorerst unklar.
Chronische Unterfinanzierung als Hauptgrund
Der Caritas-Sprecher nannte als Hauptgrund für die Schließung eine chronische Unterfinanzierung des Standortes. „Wir haben es lange und intensiv versucht, waren aber chronisch unterfinanziert, sodass wir reagieren mussten“, erklärte Rizvanim. Hohe Verwaltungskosten und gestrichene Förderungen hätten die finanzielle Situation zusätzlich verschärft. Der Betreuungsverein bot bisher Unterstützung bei:
- Vorsorgevollmachten
- Gerichtlichen Betreuungen
- Patientenverfügungen
Die Finanzierung solcher Angebote erfolgt primär durch staatliche Vergütungspauschalen. Bei mittellosen Personen übernimmt die Staatskasse, konkret der Justizhaushalt des jeweiligen Bundeslandes, die Kosten. Rizvanim betonte, dass die betroffenen Menschen nichts selbst bezahlen müssen.
Auswirkungen auf die Mitarbeiter
Neben den betreuten Personen sind auch mehrere Mitarbeiter von der Schließung betroffen. Laut Rizvanim wurden den betroffenen Angestellten Alternativen beim Caritas-Verein in Neubrandenburg und Güstrow oder in der Eingliederungshilfe angeboten. Dennoch haben drei Kollegen von sich aus das Arbeitsverhältnis bei der Müritzer Caritas beendet. Der Sprecher betonte, dass keine Kündigungen ausgesprochen wurden.
Weitere Caritas-Standorte nicht gefährdet
Auf die Frage, ob weitere Caritas-Vereine in der Region vor einer möglichen Schließung stehen, gab Rizvanim Entwarnung. „Zu den restlichen fünf Betreuungsvereinen innerhalb der Caritas im Norden gibt es keine Überlegungen, diese zu schließen“, erklärte der kommissarische Leiter. Die verbleibenden Standorte befinden sich in:
- Schwerin
- Wismar
- Rostock
- Güstrow
- Neubrandenburg
An diesen Standorten sind vielfach auch Schuldnerberatungsstellen angesiedelt, die weiterhin ihre Arbeit fortsetzen werden. Die Schließung in Waren bleibt somit ein lokales Problem, das jedoch für die betroffene Region erhebliche Auswirkungen auf das soziale Unterstützungsnetzwerk hat.



