Decision Fatigue: Warum Sie wichtige Entscheidungen besser vertagen sollten
Im hektischen Berufsalltag stehen wir oft unter Druck, schnelle Entscheidungen zu treffen. Doch genau in solchen Momenten sollten wir innehalten und abwarten. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen deutlich, dass starke Gefühle und mentale Erschöpfung unser Urteilsvermögen erheblich beeinträchtigen können.
Emotionen trüben den klaren Blick
Eine hitzige Diskussion im Meeting, eine provokante E-Mail im Posteingang oder die Euphorie nach einem unerwarteten Erfolg: In diesen Situationen treffen wir Entscheidungen selten im neutralen Zustand. Wer sich ärgert, unter Druck steht oder übermüdet ist, reagiert häufig vorschnell und härter, als es der Situation angemessen wäre.
Philip Meissner, Inhaber des Lehrstuhls für Strategie und Entscheidungsfindung an der ESCP Business School in Berlin, erklärt: „Emotionen – egal ob positiv oder negativ – führen dazu, dass Menschen nicht klar denken und mitunter impulsiv handeln.“ Diese wissenschaftlich gut belegte Tatsache sollte uns dazu bewegen, in emotional aufgeladenen Momenten keine wichtigen Entscheidungen zu treffen.
Die Gefahr der Entscheidungsmüdigkeit
Ein weiteres Warnsignal ist das Gefühl der Überforderung. Die sogenannte Decision Fatigue tritt ein, wenn Menschen innerhalb kurzer Zeit viele Entscheidungen treffen müssen. Prof. Ralph Hertwig vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung warnt: „Die Bereiche im Gehirn, die uns helfen, zu fokussieren, zu planen und zwischen Aufgaben zu wechseln, sind dann erschöpft.“
Diese Erschöpfung kann dazu führen, dass die Qualität unserer Entscheidungen deutlich sinkt. Hertwig betont: „Emotionen können dazu beitragen, dass ich die Welt schwärzer und weißer sehe, als sie tatsächlich ist.“ In solchen Momenten sollte man lieber keine Entscheidungen erzwingen, sondern abwarten und versuchen, die eigenen Gefühle zu regulieren.
Abstand gewinnen für bessere Entscheidungen
Die Lösung klingt simpel, ist aber effektiv: Wer innerhalb einer bestimmten Zeitspanne viele Entscheidungen treffen musste, sollte dem Gehirn dringend Ruhe gönnen. Nach einer Pause oder ausreichend Schlaf kann sich das Gehirn erholen und wieder bessere Entscheidungen treffen.
Praktische Tipps für den Alltag:
- Erkennen Sie emotionale Ausnahmesituationen als Warnzeichen
- Vertagen Sie wichtige Entscheidungen, wenn Sie sich überfordert fühlen
- Gönnen Sie Ihrem Gehirn regelmäßige Ruhepausen
- Treffen Sie komplexe Entscheidungen nur mit klarem Kopf
Erst wenn der Kopf wieder frei ist und die Emotionen abgeklungen sind, lässt sich das Thema einfacher und rationaler angehen. Diese bewusste Vertagung kann im Berufsalltag entscheidend dazu beitragen, bessere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.



