Dorf-Kita in Luckow schließt: Personalmangel und sinkende Kinderzahlen zwingen Johanniter zum Aus
Die Johanniter werden ihre Kindertagesstätte Pustewind in Luckow in der Nähe von Eggesin Ende März 2026 schließen. Diese Entscheidung bestätigte der große christliche Träger im deutschen Gesundheits- und Sozialwesen auf Nachfrage des Nordkurier. Matthias Riek, Mitglied der Regionalleitung Mecklenburg-Vorpommern, erklärte, dass die angespannte Lage mit zu wenigen Erziehern und einem deutlichen Rückgang der zu betreuenden Kinder keine andere Möglichkeit lasse.
Bürgermeister zeigt sich überrascht und enttäuscht
Der Luckower Bürgermeister Fabian Schöne äußerte sich überrascht über die Nachricht der Schließung. In früheren Gesprächen mit der Gemeinde hatte der Träger lediglich von einem vorübergehenden Personalmangel gesprochen und signalisiert, dass der Kita-Betrieb aufrechterhalten werden könne. Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen sollten die Zwischenzeit abpuffern. Erst kurz vor Weihnachten wurden die Eltern über die dramatische Situation informiert.
„Die Entscheidung ist uns definitiv nicht leicht gefallen“, betonte Matthias Riek von den Johannitern. Die Schließung sei notwendig, um die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben sowie die Qualität der Betreuung sicherzustellen. Der Träger betreibt insgesamt 23 Kindergärten in Mecklenburg-Vorpommern, bald wird es eine Einrichtung weniger sein.
Aktuelle Situation: Nur fünf Kinder und akuter Personalmangel
Aktuell werden in der Kita Pustewind ab Vormittag nur noch ein Krippenkind und vier Kindergartenkinder betreut. Nach Schulschluss kommen zehn Hortkinder hinzu. Bereits jetzt steht fest, dass drei Kinder die Einrichtung im Sommer regulär verlassen werden. In dieser Woche gingen zudem zwei weitere Kündigungen von Betreuungsverträgen ein.
Der Personalmangel verschärft die Situation erheblich. „Bereits Ende Dezember haben Mitarbeitende gekündigt“, so die Johanniter. Unter den einst vier Beschäftigten mit unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten habe sich die personelle Lage deutlich zugespitzt. Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht gelungen, ausreichend pädagogisches Personal zu gewinnen. Durch krankheits- und urlaubsbedingte Abwesenheiten musste die Einrichtung in dieser Woche sogar für einen Tag vorübergehend schließen.
Gemeinde sucht nach Alternativen und dachte schon über Neubau nach
Für die Gemeinde Luckow ist die angekündigte Schließung ein harter Schlag. Bürgermeister Fabian Schöne betonte, dass eine Kita ein wichtiger Faktor sei, um junge Leute oder Familien ins Dorf zu ziehen. Deshalb hatte die Gemeinde bereits Pläne für einen Kita-Neubau geschmiedet, ähnlich wie in Altwarp.
„Ich gebe die Hoffnung nicht auf“, erklärte Schöne. Er wolle mit den Gemeindevertretern alles versuchen, damit es weiterhin einen Kindergarten im Dorf gibt. Dazu gehöre, bei anderen Trägern anzufragen. Der Bürgermeister schließt auch nicht aus, dass der Kindergarten wieder von der Gemeinde betrieben wird, wenn dies darstellbar sei. Fraglich sei jedoch, ob die Eltern mit ihren Kindern zurückkehren würden.
Kommunikation zwischen Träger, Gemeinde und Eltern
Aussagen, dass Eltern und die Gemeinde unzureichend einbezogen und zu spät informiert worden seien, wies Matthias Riek von den Johannitern zurück. Seit September 2025 befinde sich der Träger im Austausch mit dem pädagogischen Team über die zukünftige konzeptionelle Ausrichtung der Einrichtung. Seit November bestehe ein regelmäßiger Austausch mit dem Elternrat.
Parallel dazu stünden die Johanniter seit November im engen Kontakt mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald. Nachdem sich die Situation Ende Dezember weiter zugespitzt hatte, wurden die Gespräche intensiviert. Seither finden wöchentliche Abstimmungen mit dem Elternrat, den Mitarbeitern, dem Landkreis, der Gemeinde sowie der stellvertretenden Bürgermeisterin und dem Bürgermeister statt.
Angebote für Eltern und Erzieher
Einige Eltern sind dankbar über das Angebot der Altwarper Kita, die Kinder aufzunehmen. Die Johanniter berichteten, dass den Eltern auch Betreuungsplätze in der Johanniter-Kita in Meiersberg angeboten worden seien. Für den Tag der vorübergehenden Schließung wurde den Eltern eine Betreuung in der Kita Meiersberg angeboten.
Auch den Erziehern werden Angebote für eine Beschäftigungsmöglichkeit in umliegenden Kitas der Johanniter unterbreitet. Die Johanniter betonen, dass sie sich um eine reibungslose Übergangslösung bemühen, um die Betreuung der Kinder und die berufliche Zukunft der Mitarbeiter zu sichern.
Die Kita Pustewind wird nur noch bis Ende März 2026 in Trägerschaft der Johanniter sein. Die Gemeinde Luckow steht nun vor der Herausforderung, eine langfristige Lösung für die Kinderbetreuung im Dorf zu finden, während die Johanniter ihre Ressourcen auf andere Standorte konzentrieren.



