Drogenhilfe-Chef fordert sichere Konsumräume in München: "Ein Konsumraum rettet Leben"
Der Geschäftsführer des Drogennotdienstes Prop, Marco Stürmer, appelliert eindringlich an die Stadt München, mehr sichere Aufenthaltsräume für drogenabhängige Menschen im Bahnhofsviertel zu schaffen. Bis Ende 2027 ist die Finanzierung seiner Einrichtung zwar gesichert, doch danach droht eine gefährliche Finanzierungslücke, die die wichtige Arbeit der Suchthilfe gefährden könnte.
Konsumräume als lebensrettende Maßnahme
In anderen deutschen Städten wie Essen existieren bereits spezielle Konsumräume, in denen Abhängige unter medizinischer Aufsicht und mit sauberem Spritzbesteck konsumieren können. "Letztes Jahr hatten wir 63 Notarzteinsätze, in 30 Fällen wegen einer Überdosierung. Alle 30 Menschen konnten gerettet werden", berichtet Stürmer. Diese Einsätze bedeuten für die Mitarbeiter eine extreme Belastung, während im öffentlichen Raum die Sterberisiken für Konsumenten deutlich höher sind. "Ein Drogenkonsumraum kann Menschenleben retten", betont der Experte nachdrücklich.
Bestehende Einrichtungen und Finanzierungsprobleme
An der Landwehrstraße betreibt der Verein Prop bereits eine Notschlafstelle und einen Kontaktladen, wo Abhängige saubere Spritzen, Getränke, Snacks und an Wochenenden warme Mahlzeiten erhalten. Stürmer unterstreicht: "Eine Abhängigkeit ist eine gravierende, chronische Erkrankung". Obwohl die Stadt den Beitrag der Sozialen Arbeit zur Lösung der Probleme im Bahnhofsviertel zu schätzen weiß, bleibt die Finanzierung unsicher. Ab 2028 bricht ein Teil der Förderung weg. "Dafür suchen wir noch nach Optionen", erklärt Stürmer.
Vorbilder und konkrete Wünsche
Der Drogenhilfe-Chef wünscht sich für die nächste Legislaturperiode, dass dieses Bewusstsein trotz knapper Kassen im Rathaus erhalten bleibt. Konkret fordert er:
- Die Schaffung von Aufenthaltsräumen im Bahnhofsviertel, wo betroffene Menschen tagsüber bleiben können
- Einen integrierten Drogenkonsumraum, idealerweise in der bestehenden Notschlafstelle
- Langfristige Finanzierungslösungen über 2027 hinaus
Als Vorbild nennt Stürmer Zürich, das ein großes Hilfezentrum mit Tagesaufenthalt eingerichtet hat. In der Münchner Notschlafstelle ist Drogenkonsum zwar offiziell verboten, doch der verborgene Konsum lasse sich nicht immer verhindern – ein weiteres Argument für regulierte Räume.



