Experten warnen vor Kürzungen: Münchens soziale Infrastruktur unter Druck
Experten warnen: Münchens soziale Infrastruktur unter Druck

Experten warnen vor Kürzungen: Münchens soziale Infrastruktur unter Druck

In München wächst die Sorge um die soziale Infrastruktur. Experten aus verschiedenen Bereichen äußern sich kritisch zu den Auswirkungen der Haushaltskrise auf soziale Einrichtungen und Gesundheitsversorgung. Während die Stadt traditionell für ihr dichtes Netz an Unterstützungsangeboten bekannt ist, drohen nun durch Sparzwänge erhebliche Einschnitte.

„Ich bin wehmütig“: Paritätischer Wohlfahrtsverband warnt vor schleichendem Abbau

Karin Majewski, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in München, zeigt sich ambivalent: „München hat eine tolle soziale Infrastruktur“, betont sie. Das Netzwerk aus Alten- und Service-Zentren sowie Jugendangeboten sei beispielhaft. Doch gleichzeitig spüre sie Wehmut, denn dieser Standard sei gefährdet. Bereits jetzt werden Tarifsteigerungen nicht mehr vollständig erstattet, was zu nicht nachbesetzten Stellen und reduzierten Angeboten führt.

Majewski kritisiert, dass Kürzungen bisher eher zufällig erfolgten – etwa wenn Mitarbeiter in Rente gingen. „Das darf so nicht weitergehen“, fordert sie. Gemeinsam mit dem Sozialreferat erarbeiten die Wohlfahrtsverbände derzeit ein Konzept zur Bedarfsermittlung, das Ende des Jahres vorliegen soll. Besorgniserregend seien die gestiegenen psychischen Belastungen bei Jugendlichen nach Corona sowie die zunehmende Wohnungslosigkeit und Armut.

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Personalabbau in der München Klinik: „Angst ist ein schlechter Ratgeber“

Die Situation im städtischen Krankenhauskonzern München Klinik verschärft die Lage weiter. Betriebsrätin Ingrid Greif äußert deutliche Kritik an geplanten Stellenstreichungen: „Angst ist ein schlechter Ratgeber und führt zu unklugen Entscheidungen“. Für 2026 sind 56 Vollzeit-Ärztestellen vorgesehen, langfristig sogar etwa 100 von insgesamt 1200 Positionen.

Greif warnt vor den Folgen:

  • Erhöhter Druck auf das Pflegepersonal durch fehlende Ärzte
  • Mögliche Kürzungen bei unteren Lohngruppen wie Küchenmitarbeitern
  • Katastrophale Zustände in überfüllten Notaufnahmen

Sie fordert, dass Personalabbau erst nach Prozessverbesserungen erfolgen dürfe und kritisiert übermäßige Bürokratie sowie mangelhafte IT-Systeme. Notwendig seien mehr medizinische Versorgungszentren und niederschwellige Angebote außerhalb der Kliniken.

Seniorenbeirat befürchtet Einschränkungen bei einmaligen Angeboten

Reinhard Bauer, Vorsitzender des Münchner Seniorenbeirats, betont die Einmaligkeit der 34 Alten- und Service-Zentren (ASZ). „Ich war schon viel in Deutschland unterwegs, um die ASZ vorzustellen. Sie sind einmalig“, erklärt er. Die Zentren bieten älteren Menschen Hilfe, Freizeitaktivitäten und günstige Mittagessen – teilweise sogar kostenlos.

Doch auch hier wachsen die Sorgen:

  1. Pilotprojekte wie Pflegeberatung im ASZ-Hasenbergl könnten eingestellt statt ausgebaut werden
  2. Hauswirtschaftler, die Senioren bei Alltagstätigkeiten unterstützen, sind gefährdet
  3. Barrierefreiheit bleibt problematisch, besonders an S-Bahnhaltestellen

Bauer wünscht sich mehr kostenlose und saubere Toiletten sowie verbesserte Barrierefreiheit. Er betont jedoch, dass für die S-Bahn der Freistaat Bayern zuständig ist – ein Hinweis auf die komplexen Zuständigkeiten in der kommunalen Sozialpolitik.

Die Experten sind sich einig: Trotz der schwierigen Haushaltslage muss die soziale Infrastruktur in München erhalten bleiben. Die kommenden politischen Entscheidungen werden zeigen, ob die Stadt ihren Ruf als sozial vorbildliche Metropole bewahren kann.

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