Homeoffice als Familienbooster? US-Studie zeigt Zusammenhang mit höherer Geburtenrate
Homeoffice steigert Lust auf Kinder? Neue Studie enthüllt

Homeoffice als Katalysator für mehr Kinder? Neue Forschungsergebnisse

Deutschland befindet sich in einem anhaltenden demografischen Tief. Jetzt liefert eine umfangreiche US-Studie mit deutscher Beteiligung neue Impulse für die familienpolitische Debatte. Die zentrale Erkenntnis: Regelmäßiges Arbeiten von zu Hause aus könnte die Bereitschaft zur Familienplanung signifikant steigern.

Internationale Datenanalyse mit eindeutigem Trend

Ein Forscherteam um den Stanford-Ökonomen Nicholas Bloom hat in Zusammenarbeit mit Dr. Mathias Dolls vom ifo-Institut in München Daten aus 38 Ländern ausgewertet. Die Analyse zeigt einen klaren Zusammenhang: In Haushalten mit regelmäßigem Homeoffice liegt die geschätzte Geburtenrate durchschnittlich um etwa 14 Prozent höher. In den Vereinigten Staaten beträgt dieser Effekt sogar 18 Prozent.

Besonders ausgeprägt ist der positive Einfluss, wenn beide Partner mindestens einen Tag pro Woche von zu Hause arbeiten. Die Studie mit dem Titel „Work from Home and Fertility“ liefert damit erstmals umfassende Belege für einen langfristigen demografischen Effekt flexibler Arbeitsmodelle.

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Der Pandemie-Effekt: Zunächst Verwirrung, dann Klarheit

Interessanterweise scheint das Ergebnis zunächst im Widerspruch zu den Erfahrungen während der Corona-Pandemie zu stehen. In dieser Phase, als Millionen Beschäftigte ins Homeoffice wechselten, sank die Geburtenziffer deutlich. Dr. Mathias Dolls erklärt diesen scheinbaren Widerspruch: „Die Situation in der akuten Pandemiephase war speziell, weil die Menschen gezwungenermaßen oder aus Vorsicht im Homeoffice waren.“

Viele hätten diese Situation zunächst als temporäre Notlösung wahrgenommen. Dauerhafte Lebensentscheidungen – etwa zur Familienplanung oder Wohnortwahl – seien oft erst mit zeitlicher Verzögerung getroffen worden. Aktuelle Befragungen zeigen jedoch bereits einen positiven Effekt auf den künftigen Kinderwunsch von Beschäftigten im Homeoffice.

Deutschland im internationalen Vergleich

Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten im Jahr 2024 etwa 24 Prozent der Beschäftigten ganz oder teilweise von zu Hause aus. Die Forscher haben hochgerechnet: Würde sich Homeoffice weiter verbreiten, könnte die Geburtenrate in Deutschland um zwei bis drei Prozent steigen.

„Unsere Berechnungen zeigen für die zusammengefasste Geburtenziffer, dass Homeoffice in Deutschland 0,067 Kinder je Frau erklärt“, präzisiert Dolls. Konkret bedeutet dies: Ohne Homeoffice würden Frauen in Deutschland statt durchschnittlich 1,46 Kindern (Stand 2024) etwa 0,07 Kinder weniger bekommen.

Erreichte die Homeoffice-Nutzung in Deutschland das höhere Niveau von Ländern wie den USA, Kanada oder Großbritannien, könnte die Geburtenziffer zusätzlich um 0,027 Kinder je Frau ansteigen.

Mehr Flexibilität, mehr Familienzeit

Die Gründe für den beobachteten Effekt sind vielfältig. „Homeoffice macht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einfacher“, betont Dolls. Der entfallende Arbeitsweg spare wertvolle Zeit, die der Familie zugutekomme. Auch Betreuungsengpässe am Nachmittag ließen sich durch die erhöhte zeitliche Flexibilität besser auffangen.

Allerdings weisen die Studienautoren auf eine wichtige Einschränkung hin: Möglich sei auch, dass Menschen mit konkretem Kinderwunsch gezielt nach Jobs mit Homeoffice-Möglichkeiten suchen. In diesem Fall wäre das Arbeiten von zu Hause nicht die Ursache, sondern die Folge des Kinderwunsches. Wahrscheinlich handle es sich um eine Mischung aus beiden Effekten.

Kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein

Kann Homeoffice allein die alternde Gesellschaft und den Fachkräftemangel stoppen? „Homeoffice ist nur ein sehr kleiner Baustein“, relativiert Dolls. Der Effekt allein reiche nicht aus, um die demografischen Probleme grundlegend zu lösen.

Dennoch gebe es weitere positive Nebeneffekte: Homeoffice erleichtere bestimmten Bevölkerungsgruppen den Zugang zum Arbeitsmarkt, etwa Menschen mit Behinderungen. Und im Gegensatz zu vielen teuren Förderprogrammen verursache diese Maßnahme für den Staat kaum zusätzliche Kosten.

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Für die Politik ergibt sich daraus eine klare Handlungsempfehlung: „Was die Politik tun sollte, ist, die Grundlagen zu schaffen, dass Homeoffice möglich ist – Stichwort gute Internetgeschwindigkeit auch in ländlichen Gegenden“, so Dolls abschließend.