Karl Lauterbach will Renten für Gutverdiener deckeln
Nach der Wahlniederlage der SPD in Rheinland-Pfalz hat sich Sozialexperte Karl Lauterbach mit einem umstrittenen Vorschlag zu Wort gemeldet. In der ARD-Sendung »Caren Miosga« forderte er, künftig Renten von Gutverdienern zu deckeln, um ärmeren Menschen höhere Leistungen zu ermöglichen. Lauterbach argumentiert, dass das aktuelle System ungerecht sei, da Gutverdiener mit höherer Lebenserwartung länger Rente beziehen und so von kürzeren Renten der Ärmeren profitieren.
Ungerechtigkeit im Rentensystem
Lauterbach kritisierte, dass Akademiker oft nur 35 Jahre einzahlen, aber 20 Jahre Rente erhalten, während Menschen, die früh mit 16 Jahren arbeiten beginnen, fast 50 Jahre einzahlen und nur sieben Jahre Rente beziehen, da sie oft nur bis 72 Jahre leben. "Das kann doch nicht richtig sein", sagte der SPD-Politiker. Er betonte, dass eine Deckelung der Rentenwerte für Gutverdiener es ermöglichen würde, das System länger finanzierbar zu halten und Geringverdiener zu unterstützen.
Reaktionen aus der Politik
Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) äußerte sich in der Sendung nicht konkret zu dem Vorschlag und verwies auf die für Juli erwarteten Ergebnisse der Rentenkommission. Er betonte, dass Gerechtigkeit wichtig sei und mehr Flexibilität sowie längere Arbeitszeiten nötig seien. Frei sagte: "Wir müssen eine gute Politik machen, um Vertrauen zurückzugewinnen." In Richtung SPD fügte er hinzu: "Wir sitzen gemeinsam im gleichen Boot. Nun müsse man auch in die gleiche Richtung rudern."
Weitere Reformideen
In der Rentendebatte hatte der Wirtschaftsberater Jens Südekum bereits vorgeschlagen, den Renteneintritt an die Jahre der tatsächlichen Beitragszahlungen zu knüpfen. Eine solche Regelung könnte Akademiker treffen, die wegen Studienjahren später arbeiten beginnen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat diese Idee als "durchaus erwägenswert" bezeichnet. Die SPD hatte in Rheinland-Pfalz rund zehn Prozentpunkte und das Amt des Ministerpräsidenten eingebüßt, was zu Forderungen nach mehr Profil in der Reformdebatte führte.



