Zweiter Teil der Stütze-Reform: Linnemanns Vier-Punkte-Plan gegen Missbrauch
Nachdem der erste Teil der schwarz-roten Stütze-Reform zum 1. Juli in Kraft tritt und die neue Grundsicherung das Bürgergeld ablöst, drängen Union und SPD nun auf die Umsetzung des zweiten Teils der Reform. Im Fokus steht dabei die Bekämpfung von Missbrauch bei Sozialleistungen. CDU-General Carsten Linnemann (48) hat vier konkrete Maßnahmen vorgestellt, um Missstände zu beseitigen.
„Die Reform muss vor der Sommerpause ins Kabinett, damit sie spätestens zum 1. Januar 2027 in Kraft treten kann“, betont Linnemann im Gespräch mit BILD. Der Zeitplan ist ambitioniert, doch die Union zeigt sich entschlossen, ihre Pläne zügig umzusetzen.
Vier Kernpunkte der geplanten Reform
Linnemanns Vorschläge zielen darauf ab, das System der Grundsicherung effizienter und gerechter zu gestalten. Die vier Hauptpunkte im Detail:
- Abschaffung des Minijob-Freibetrags: Arbeitslose sollen künftig stärkere Anreize zum Arbeiten erhalten. Die Einnahmen aus einem Minijob (603 Euro pro Monat) sollen komplett mit der Stütze verrechnet werden. Bisher gibt es einen Freibetrag von 100 Euro. Wer über den Minijob hinaus Geld verdient, darf dieses behalten. Weitere Schritte bei den Transferentzugsraten sollen spätestens mit der Gesetzgebung zur Kindergrundsicherungsreform folgen.
- Stütze-Streichung für Straftäter: Personen, die sich einem Haftbefehl entziehen, sollen künftig keine Grundsicherung mehr erhalten. Nach aktueller Rechtslage können solche Personen weiterhin Leistungen beziehen, was Linnemann als Missstand bezeichnet und ändern will.
- Meldung von Schrottimmobilien: Polizei und Feuerwehr sollen Jobcentern künftig Schrottimmobilien melden können. Sozialleistungsempfänger, die dort gemeldet sind, sollen kein Geld mehr erhalten. Geplant ist ein vollständiger und anlassloser Datenaustausch zwischen Jobcentern und anderen Behörden.
- Verlängerte Rückforderungsfrist: Der Staat soll zu viel gezahltes Geld an Stütze-Empfänger auch nach mehr als drei Jahren zurückfordern können. Beim Inkassoservice der Bundesagentur für Arbeit liegen derzeit 2,5 Milliarden Euro offene Forderungen im SGB II vor. Die Verjährungsfrist für die Rückforderung zu Unrecht gezahlter Grundsicherung soll generell erhöht werden.
Hintergrund und politische Bedeutung
Die Reform ist Teil der laufenden Bemühungen von Union und SPD, das Sozialsystem zu modernisieren und Missbrauch zu verhindern. Linnemanns Vorschläge zielen darauf ab, die Integrität der Leistungen zu wahren und gleichzeitig Anreize für Arbeit zu schaffen. Die Diskussion um die Stütze-Reform spiegelt breitere politische Debatten über Sozialpolitik und Wirtschaftlichkeit wider.
Experten betonen, dass solche Maßnahmen sorgfältig abgewogen werden müssen, um soziale Härten zu vermeiden. Die geplante Reform könnte erhebliche Auswirkungen auf Empfänger von Sozialleistungen haben und wird voraussichtlich kontrovers diskutiert werden.
Mit dem zweiten Teil der Stütze-Reform zeigt die Union ihre Entschlossenheit, das Thema Missbrauch von Sozialleistungen konsequent anzugehen. Ob die Pläne wie geplant umgesetzt werden können, hängt nun von den weiteren politischen Verhandlungen ab.



