Tafel in Prenzlau: 85 Prozent der Kunden haben Migrationshintergrund, Ukraine-Herkunft dominiert
Tafel Prenzlau: 85% Kunden mit Migrationshintergrund

Tafel in Prenzlau: Hoher Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund

Die anhaltende Inflation trifft viele Haushalte in der Uckermark besonders hart. Im Januar 2026 stieg die Inflationsrate um weitere 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach einem Anstieg von 1,8 Prozent im Dezember 2025. Das Statistische Bundesamt führt diese Entwicklung vor allem auf höhere Preise für Nahrungsmittel zurück. Für Menschen mit geringen Einkommen, kleinen Renten oder Sozialleistungen wird der Einkauf zunehmend zur Herausforderung.

Über 5.600 Menschen betreut

Unter der Regie des AWO-Kreisverbandes hat die Tafel in Prenzlau im vergangenen Jahr insgesamt 5.680 Besucher unterstützt. Die meisten von ihnen nutzten den kleinen „Laden“ der Einrichtung, der im Fachjargon als Zusatzversorgung bezeichnet wird. Fast 500 Frauen, Männer und Kinder kamen zusätzlich zum wöchentlichen Mittagessen, das jeden Mittwoch angeboten wird.

Kerstin Kühn, die 58-jährige Leiterin der Tafel, betont, dass besonders ältere Menschen und Familien in der Region auf diese Dienstleistungen angewiesen sind. Bemerkenswert ist jedoch der hohe Anteil von Gästen nicht deutscher Herkunft. Etwa 85 Prozent der Nutzer haben inzwischen einen Migrationshintergrund, wobei die Mehrheit aus der Ukraine stammt und Bürgergeld bezieht.

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Voraussetzungen und Abläufe

Der Nachweis über den Bezug von Bürgergeld, Wohngeld, Sozialgeld oder anderen staatlichen Leistungen ist eine grundlegende Voraussetzung für den Besuch der Tafel. „Andere persönliche Daten erheben wir nicht“, versichert Kerstin Kühn. Sie ermutigt ausdrücklich Menschen in Not, den Weg zur Tafel zu finden, und betont: „Bei uns muss sich niemand schämen.“

Um Konflikte bei der Lebensmittelausgabe zu vermeiden, wurde ein Nummernsystem eingeführt. Dies sorgt für einen gerechten Ablauf und verhindert Streitigkeiten. Für die kontinuierliche Befüllung der Regale sind lokale Akteure wie der Rewe-Markt-Betreiber Matthias Becker verantwortlich. Er hat sich über Jahre als zuverlässiger Spender etabliert.

Supermarkt-Aktion gegen Engpässe

Zu Wochenbeginn startete in Beckers Supermarkt in der Steinstraße die diesjährige „Tüten“-Aktion unter dem Motto „Gemeinsam Teller füllen“. In den nächsten 14 Tagen können Kunden zusätzlich zu ihrem eigenen Einkauf haltbare Lebensmittel erwerben und der Tafel am Thomas-Müntzer-Platz 1 zur Verfügung stellen. Die gefüllten Tüten müssen nicht mehr zur Kasse getragen werden; es reicht aus, die dazugehörigen Schilder scannen zu lassen.

Matthias Becker und andere Marktbetreiber der Umgebung geben regelmäßig – teilweise mehrmals wöchentlich – Lebensmittel in großen Mengen ab. Kerstin Kühn räumt ein, dass die Monate Februar, März und April traditionell schwächere Spendenmonate sind. Dennoch betont sie: „Aber noch musste bei uns niemand mit leeren Taschen weggeschickt werden.“

Ehrenamt und Forderungen

Kühn dankt nicht nur den Spendern, sondern auch den Zuverdienstkräften und Ehrenamtlern. Besonders hervorzuheben ist, dass auch Menschen mit Migrationshintergrund aktiv im Ehrenamt tätig sind, was die Verständigung erleichtert. Auf die Frage nach einem Wunsch appelliert sie an die Regierung, über Rentenpunkte für ehrenamtliche Tätigkeiten nachzudenken: „Damit wäre den Helfern am meisten geholfen.“

Heike Ziemann, eine langjährige Unterstützerin, gehört zu den engagierten Ehrenamtlern, die die Arbeit der Tafel maßgeblich tragen. Die Kombination aus zuverlässigen Spendenaktionen und dem Einsatz freiwilliger Helfer sichert die Versorgung der Bedürftigen in Prenzlau und der umliegenden Region.

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