Sozialkaufhäuser in Thüringen: Billigspenden und Kostendruck gefährden Hilfsangebote
Die Nachfrage nach günstigen Gebrauchtwaren steigt kontinuierlich, doch Thüringens Sozialkaufhäuser geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Steigende Betriebskosten, qualitativ minderwertige Spenden und finanzielle Engpässe bringen viele dieser sozialen Einrichtungen an ihre Grenzen. Thomas Müller, Sprecher für die Sozialkaufhäuser der Caritas im Bistum Erfurt, beschreibt die aktuelle Situation als Zeit des Umbruchs, in der die Einrichtungen mit komplexen Herausforderungen konfrontiert sind.
Wirtschaftliche Belastungen ohne Preisspielraum
Die drastischen Energiepreiserhöhungen zu Beginn des Ukrainekriegs haben die meisten Sozialkaufhäuser durch Sparmaßnahmen und staatliche Entlastungspakete überstanden. Dennoch bleibt der Kostendruck insbesondere bei Energiekosten nach wie vor hoch. Karin Burfeind vom Sozialkaufhaus „NutzBar“ des Erfurter Vereins „Kontakt in Krisen“ erklärt das grundlegende Dilemma: Die Kostensteigerungen der vergangenen Jahre können nicht an die Kunden weitergegeben werden.
Hauptpreistreiber sind steigende Ausgaben für Lebensmittel und Energie, aber auch versteckte Erhöhungen bei Versicherungen, Miete oder Nebenkosten summieren sich mit der Zeit. „Wir lassen unsere Preise bewusst sehr niedrig, weil von Armut betroffene Menschen es sich schlicht nicht leisten können, mehr zu zahlen“, betont Burfeind. Für viele Normalverdiener sei es schwer vorstellbar, aber es gebe immer mehr Menschen, die im Monat keine 20 Euro übrig hätten, um kaputte Küchengeräte zu ersetzen.
Nachfrageentwicklung und demografische Herausforderungen
Während in Erfurt und Weimar die Nachfrage sehr hoch und weiter steigend ist, beobachtet Werner Müller im Sozialkaufhaus Hildburghausen einen Rückgang. Mitunter fehle den Menschen schlicht das Geld für den Einkauf. Besonders beunruhigend sei in der Landeshauptstadt Erfurt die stetig wachsende Zahl von Senioren, die von Altersarmut betroffen seien, so Burfeind.
Neben verschiedenen Beratungsangeboten bieten viele Einrichtungen daher zusätzliche Hilfen an. Der Erfurter Verein beispielsweise organisiert Tauschmöglichkeiten für Geräte sowie Ausleihangebote für Geschirr, um Hilfesuchenden möglichst niederschwellig und unkompliziert zu helfen.
Das Problem mit Billigspenden und Fast Fashion
Christoph Blanke vom Erfurter Sozialkaufhaus Fairly Fair identifiziert besonders die sogenannte „Fast Fashion“ – billig produzierte Kleidung von oft schlechter Qualität – als großes Problem. Das Aufkommen sei so massiv, dass einige Einrichtungen bereits die Annahme pausieren mussten. Gleichzeitig steige der Anteil der Kleidung, die aussortiert und kostenpflichtig entsorgt werden müsse, kontinuierlich an.
„Wünschenswert wäre, dass der Gedanke von Nachhaltigkeit und langfristiger Verwendung von Produkten stärker in der Gesellschaft ankommt“, so Blanke. Diese Einschätzung teilen auch andere befragte Einrichtungen. In Hildburghausen soll beispielsweise ein Repaircafé etabliert werden, bei dem Menschen bei der Reparatur beschädigter Gegenstände geholfen wird – bisher gestaltet sich die Anlaufphase jedoch schwierig.
Forderungen nach stärkerer Unterstützung
Die meisten befragten Einrichtungen sind sich einig, dass grundsätzlich eine stärkere Unterstützung von Land und Bund notwendig wäre. Nur so könne die Arbeit der gemeinnützigen Einrichtungen im Kampf gegen Armut zukunftssicher gemacht werden. Blanke hält es zudem für hilfreich, wenn der Marktzugang für Billigangebote aus China stärker reguliert würde.
Für potenzielle Spender empfehlen die Einrichtungen, vorab Kontakt aufzunehmen, um zu klären, ob die Spenden verwendbar sind. Auch Geldspenden seien stets willkommen, um die Arbeit für sozial bedürftige Menschen langfristig zu sichern. Die Schließung des Sozialkaufhauses in Schlotheim im Unstrut-Hainich-Kreis Ende März zeigt, wie prekär die Situation für manche Einrichtungen bereits geworden ist.



