Anklams Wiederaufbau: Vom Trümmerputzen zu begehrten Plattenbauten mit Geschichte
Anklams Wiederaufbau: Vom Trümmerputzen zu Plattenbauten

Anklams Wiederaufbau: Vom Trümmerputzen zu begehrten Plattenbauten mit Geschichte

Es war ein Abend, der die Kapazitäten des Anklamer Ritz an seine Grenzen brachte. Unter dem Titel „Stadt Mensch Bau“ widmete sich eine gut besuchte Veranstaltung dem Wiederaufbau der Peenestadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Für viele der zahlreichen Besucher war dies ein Stück persönlicher Geschichte, das hier lebendig wurde.

Vom Kriegstrümmer zum Wohnraum: Die Anfänge des Wiederaufbaus

Der Historiker Christoph Wunnicke skizzierte in seinem Vortrag das Baugeschehen in Anklam von den 1950er bis in die 1980er Jahre. Nachdem die Innenstadt im Krieg zu 70 Prozent zerstört worden war, begannen die Menschen schnell mit dem Wiederaufbau. Das Baumaterial gewannen sie zu großen Teilen aus den Trümmern der alten Häuser. Rund 600 Personen waren damit beschäftigt, Millionen von Mauersteinen zu putzen und wiederzuverwenden.

Im Fokus stand zunächst der dringend benötigte Wohnungsbau. 1951 wurde das Nationale Aufbauwerk ins Leben gerufen, eine Initiative, bei der Bauvorhaben in der gesamten DDR durch Freiwilligenarbeit umgesetzt wurden. In Anklam entstand so in der Hospitalstraße das erste neu gebaute größere Wohngebäude mit zwölf Wohnungen für sogenannte Bestarbeiter.

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Plattenbauten: Einst Symbol des Fortschritts und der Modernität

Mit der Einführung der Plattenbauweise konnten später deutlich mehr Wohnungen errichtet werden. Unter der Maxime „Wir bauen nur noch Licht“ endete die Zeit der dunklen Hinterhöfe. Die neuen Wohnungen waren modern, hell und boten Annehmlichkeiten wie Innen-Toiletten und Zentralheizung. Die heute oft geschmähten Plattenbauten waren damals ein großer Fortschritt und sehr begehrt, wie Christoph Wunnicke erklärte. Aus dem Publikum bestätigte sich dies mit dem Kommentar: „Jeder war froh, so eine Wohnung zu bekommen.“

Verschwundene Gebäude und lebendige Erinnerungen

Die Architektin und gebürtige Anklamerin Susann Milatz erinnerte in einem Bildvortrag an das Wachsen und Werden der Stadt. Im Publikumsgespräch wurde deutlich, welche nach dem Krieg entstandenen Gebäude bereits wieder verschwunden sind. Dazu zählen:

  • Die Wohnblöcke in der Anklamer Innenstadt
  • Die Kaufhalle „Fix“
  • Die Restaurants „Hoher Stein“ und „Stadt Anklam“ inklusive der beliebten Nachtbar
  • Die ehemalige „Wilhelm-Pieck-Schule“ in der Südstadt, die heute „Hanseviertel“ genannt wird

Viele Anklamer verbinden mit diesen Orten noch heute schöne Erinnerungen.

Kunst am Bau und zukünftige Perspektiven

Zur Sprache kamen auch besondere Bauwerke wie die erste Volksschwimmhalle in der DDR vom Typ „Anklam“ und das Lilienthal-Denkmal, das spektakulär am Markt eingeflogen wurde. Jens Braatz, Vorsitzender des Historischen Vereins Anklam und Umgebung, berichtete über die Terrakotten des Künstlers Gottfried Löffler, die einst die Nachtbar im „Stadt Anklam“ zierten und beim Abriss zerstört wurden.

Die acht „Löffler-Keramiken“, die jahrzehntelang die Wohnblöcke am Markt verschönerten, befinden sich laut Braatz noch in Obhut eines Jarmener Bauunternehmens. Bauamtsleiterin Susann Bienert kündigte an, dass sie perspektivisch bei der Bebauung des freien Areals an der Steinstraße wieder zum Einsatz kommen könnten. „Auf jeden Fall wäre es hilfreich, wenn immer wieder an solche Dinge erinnert würde“, hieß es während der Veranstaltung.

Fortsetzung der Stadtgeschichte

Gelegenheit dazu wird es am 1. September geben, wenn es im Ritz um das Baugeschehen in Anklam von den 1990er Jahren bis heute geht. Die große Resonanz auf den Abend zeigt, dass die Geschichte des Wiederaufbaus und der städtebaulichen Entwicklung die Menschen in Anklam nach wie vor bewegt und mit ihrer eigenen Biografie verbinden.

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