Münchner Banderolen-Aktion: So reagiert die Stadt auf verwaiste Schrotträder
Wer derzeit durch München spaziert, dem fallen an manchen Fahrradständern rot-weiße Banderolen auf. Diese Markierungen sind Teil einer regelmäßigen Aktion des Baureferats, die verkehrsuntüchtige und offensichtlich ungenutzte Fahrräder kennzeichnet. Ein bis zwei Mal jährlich werden in Kooperation mit der P+R Park & Ride GmbH innerhalb des mittleren Rings herrenlose Drahtesel markiert.
Das Problem der blockierten Stellplätze
Im Münchner Stadtgebiet existieren rund 35.000 öffentliche Fahrradstellplätze an über 1800 Standorten. Laut städtischen Angaben werden jedoch etwa 15 Prozent der abgestellten Räder nicht mehr genutzt. Viele weisen Platten, starke Roststellen oder fehlende Teile wie Sattel oder Reifen auf. Diese Schrotträder blockieren wertvolle Abstellmöglichkeiten, insbesondere in der Nähe von U- und S-Bahnhöfen sowie Bus- und Tramhaltestellen.
Der Ablauf der Banderolen-Aktion
Entdecken Mitarbeiter des Baureferats ein solches Rad oder erhalten sie eine Meldung darüber, befestigen sie eine informative Banderole. Diese weist darauf hin, dass das Fahrrad scheinbar nicht mehr genutzt wird. Der Eigentümer hat anschließend vier Wochen Zeit zu reagieren. Bleibt das Rad unverändert stehen, wird es von Mitarbeitern entfernt. Fahrradwracks – also einzelne Restteile – werden sogar ohne vorherige Markierung entsorgt.
Was passiert mit den eingesammelten Rädern?
Eingesammelte Fahrräder werden für zwei Monate eingelagert. Erhebt in dieser Zeit niemand Anspruch darauf, erfolgt die Verschrottung. Noch fahrtüchtige Exemplare werden jedoch verkehrssicher gemacht und teilweise an bedürftige Personen abgegeben. Seit einer Stadtratsentscheidung vom 4. Oktober 2016 werden nicht nur schrottreife, sondern auch funktionstüchtige, aber ungenutzte Räder entfernt.
Die Ausweitung der Maßnahmen
Nach einer mehrjährigen Testphase wurden die Aktivitäten am 21. Mai 2019 unter dem Namen Radlramadama ausgeweitet. Seither werden auch Gehwege und das Straßenbegleitgrün innerhalb des Mittleren Rings von abgestellten Rädern befreit. Diese systematische Bereinigung soll die Nutzbarkeit öffentlicher Flächen verbessern.
Klare Kriterien für die Entfernung
Die Stadt entfernt grundsätzlich zwei Arten von Fahrrädern:
- Schrotträder: Nicht mehr fahrtüchtige Drahtesel in desolatem Zustand.
- Aufgegebene Fahrräder: Funktionierende Räder, die über Wochen oder Monate offensichtlich ungenutzt blieben.
Typische Indizien für Nichtgebrauch sind:
- Reifenprobleme wie Platten oder Beschädigungen
- Rost oder Moos an Kette und Kettenritzel
- Staub- oder Spinnwebenbildung an sensiblen Stellen
- Beschädigungen wie aufgeschlitzte Sättel oder verbogene Felgen
- Fehlende Teile wie Sattel, Lenker oder Pedale
- Veraltete Werbung oder Müll am Gepäckträger
Bei der Entfernung werden Fahrradschlösser bei Bedarf gewaltsam geöffnet. Die Aktion zeigt, wie München aktiv gegen die Verstopfung öffentlicher Stellplätze vorgeht und gleichzeitig sozialverträgliche Lösungen für noch brauchbare Räder findet.



