Baumfällungen für Zufahrtsstraße in Perleberg: Wirtschaftsförderung trifft auf Naturschutzkritik
Baumfällungen für Gewerbegebiets-Zufahrt in Perleberg umstritten

Umstrittene Baumrodung für neue Gewerbegebietsanbindung in Perleberg

In diesen Tagen prägen zahlreiche Baumstümpfe das Landschaftsbild am Ortsausgang von Perleberg in Richtung Quitzow entlang der Bundesstraße 5. Parallel zum Sandweg in Richtung des Gewerbegebiets Ackerstraße wurden ebenfalls Gehölze entfernt. Diese Maßnahmen sind Teil eines städtischen Bauvorhabens, das sowohl auf Zustimmung als auch auf deutliche Kritik stößt.

Stadt plant Verkehrsentlastung durch neue Zufahrtsstraße

„Perleberg realisiert hier den Bau einer befestigten, zweispurigen Hauptzufahrtsstraße von der Hamburger Straße zum Gewerbegebiet Ackerstraße“, erläutert René Hill, Pressesprecher der Stadt Perleberg. „Diese dient als direkte Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz. Da insbesondere der Lkw-Verkehr in das Gewerbegebiet in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen hat, möchten wir mit dieser neuen Zufahrt die Anwohner spürbar entlasten.“

Die geplante Zufahrtsstraße soll entlang des Umspannwerks auf dem bisherigen Sandweg verlaufen und eine Länge von 380 Metern erreichen. Für das gesamte Vorhaben sind Baukosten in Höhe von 880.000 Euro veranschlagt. Die Baumfällungen auf der Bundesstraße waren notwendig, um eine zusätzliche Linksabbiegerspur auf der Hamburger Straße einzurichten.

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„Alle Baumfällungen wurden ordnungsgemäß beantragt und von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises genehmigt“, betont René Hill. „Die gefällten Bäume werden durch umfangreiche Ersatzpflanzungen einschließlich zusätzlicher Ergänzungspflanzungen vollständig ausgeglichen.“ Neben den Bäumen wurde auch das vorhandene Buschwerk entfernt. Die Arbeiten mussten laut Hill jetzt durchgeführt werden, da Fällungen nur in den Wintermonaten bis Ende Februar zulässig sind.

Anwohner kritisieren Verlust von Natur und Lebensqualität

Die Maßnahmen stoßen bei einigen Anwohnern auf deutliche Ablehnung. Doris Prochnow, Landwirtin mit einer nahegelegenen Schafweide, äußert sich skeptisch: „Haben wir hier nicht bereits genug Gewerbegebiete? Die Bäume und das Buschwerk hätten unbedingt erhalten werden müssen. Jetzt blendet die Sonne durch die fehlenden Bäume erheblich.“

Besonders betroffen zeigt sich Anwohnerin Hanka Bielert, die die Strecke regelmäßig mit ihrem Labrador Sam während der Gassirunden nutzt. „Im Sommer habe ich mich immer an den Äpfeln der nun gefällten Obstbäume und an den Hagebutten der Sträucher erfreut“, berichtet sie. „Wie viel Fläche muss der Mensch der Natur noch entnehmen?“ Bielert verweist dabei auch auf die aktuelle Klimadebatte und fordert einen konsequenteren Naturschutz.

Von den konkreten Plänen für die Zufahrtsstraße erfuhr sie erst nach Abschluss der Fällarbeiten. „Ich hätte mich gerne für den Erhalt der Bäume eingesetzt“, bedauert Bielert. „Das Problem ist, dass viel zu wenige Menschen gegen solche Maßnahmen protestieren, weil sie in dieser Zeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Dabei ist es doch entscheidend, die Augen offen zu halten und die natürliche Umwelt aktiv zu bewahren.“

Die kontroverse Diskussion in Perleberg zeigt deutlich den Zielkonflikt zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Naturschutz. Während die Stadtverwaltung die Verkehrsentlastung und verbesserte Gewerbeansiedlung betont, fordern kritische Bürgerinnen und Bürger einen sensibleren Umgang mit dem vorhandenen Baumbestand und mehr Transparenz bei solchen Bauvorhaben.

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