Bibliotheken verleihen mehr als nur Bücher: Vom Festzelt bis zur Eismaschine
Eine Dachbox für das Auto, ein Vertikutierer für den Rasen oder ein Dörrautomat für Obst: Es gibt zahlreiche Gegenstände, die nur selten genutzt werden. Warum also nicht leihen statt besitzen, um Platz und wertvolle Ressourcen zu sparen? Neben kommerziellen Mietangeboten von Baumärkten und professionellen Anbietern haben auch viele Stadtbibliotheken mittlerweile Alltagsgegenstände in ihren Regalen stehen.
Von der VR-Brille bis zur Ukulele: Das vielfältige Angebot
„Viele Bibliotheken haben dieses Angebot inzwischen aufgenommen“, erklärt Janina Hempel von der Büchereizentrale Niedersachsen. Zu finden sind dort nützliche Dinge aus den Bereichen Hobby, Outdoor, Haushalt und Technik. In der „Bibliothek der Dinge“ in Achim gehören zu den Renner-Empfängern eine Eismaschine, ein Minivideobeamer und eine VR-Brille. Auch Spielekonsolen und Figuren für Kinder-Hörspielboxen erfreuen sich großer Beliebtheit.
Saša Kovačević, stellvertretender Bibliotheksleiter in Achim, betont: „Die sind fast durchgehend ausgeliehen.“ Die Gründe für das Ausleihen statt Kaufen sind vielfältig. Manche können oder wollen das Geld für die Anschaffung nicht ausgeben, andere haben keinen Platz für die Aufbewahrung. Wieder andere nutzen das Angebot aus Gründen der Nachhaltigkeit. Einige testen Geräte zunächst, bevor sie sie kaufen.
Neue Zielgruppen und kontinuierliche Erweiterungen
In der Bremer Stadtbibliothek ist die Nachfrage nach Alltagsgegenständen ebenfalls groß, weshalb das Sortiment ständig erweitert wird. Zuletzt wurden eine Stanz- und eine Prägemaschine sowie ein Diskolicht angeschafft. Zum Bestand gehören auch ein Rollstuhl und eine Ukulele. Melanie Hamacher von der Bremer Stadtbibliothek beobachtet: „Manche Kunden sind positiv überrascht, wenn sie bei einem Besuch der Bibliothek die Gegenstände entdecken.“ Das Klischee, dass dort nur Bücher verliehen werden, hängt offenbar noch in einigen Köpfen fest.
Janina Hempel von der Büchereizentrale in Lüneburg bestätigt, dass landesweit immer mehr „Bibliotheken der Dinge“ entstehen. Konkrete Zahlen gibt es zwar noch nicht, doch das Interesse am Prinzip „Leihen statt kaufen“ ist deutlich gestiegen. Das Angebot ist niedrigschwellig, alltagsnah und attraktiv. Die meisten Bibliotheken listen ihr Warensortiment auch online auf, was zusätzlich neue Zielgruppen anspricht.
Private Initiativen und das Solidarprinzip
Nicht nur öffentliche Bibliotheken bieten Leihmöglichkeiten an. Neben Nachbarschaftsportalen im Internet gibt es private Initiativen wie den Verein „WasmitHerz“ in Hannover oder den Leihklub in Bremen. Im Leihklub erhalten Mitglieder über eine App rund um die Uhr Zugang zu einem zentral gelegenen Lager mit mehr als 150 Objekten, darunter ein Festzelt, Stehtische und ein elektrischer Fensterputzer.
Fabian Oestreicher, Organisator des Leihklubs, hatte die Idee, weil ihm Online-Plattformen zu anonym erschienen. Viele Gegenstände sind keine Neuanschaffungen, sondern gebrauchte Schenkungen oder Dauerleihgaben. „Den meisten Mitgliedern geht es um den Aspekt der Nachhaltigkeit und den Gedanken der Solidargemeinschaft“, betont Oestreicher. Der größte Teil der mehr als 60 Mitglieder ist unter 40 Jahre alt, da ältere Menschen oft bereits eigene Objekte besitzen.
Für Menschen, die die Leihidee auf ihre Nachbarschaft beschränken möchten, hat der Klub kostenlose Plakate gestaltet. Diese zeigen Abbildungen typischer Gegenstände und können in Mehrfamilienhäusern ausgehängt werden. Nachbarn tragen ihre Namen ein, wenn sie etwas verleihen können, was die Gemeinschaft stärkt und Ressourcen optimal nutzt.



