Brandenburgs Bürgermeister fordert mehr Begegnungsorte statt Internet
Der neue Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel, Daniel Keip, hat in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur seine Vision für eine stärkere soziale Gemeinschaft in der Stadt vorgestellt. Der SPD-Politiker, der Anfang März sein Amt angetreten hat, sieht im digitalen Zeitalter einen dringenden Nachholbedarf beim persönlichen Miteinander.
„Wer kennt heute noch seine Nachbarn?“
Der 39-jährige Rathauschef äußerte sich besorgt über die zunehmende digitale Isolation: „Alles wird digitaler. Was wir aber dann aus dem Blick verlieren, ist, dass wir auch ganz handfest wieder Orte brauchen, wo Menschen miteinander sein können.“ Keip betonte, dass Bürgerhäuser und Stadtteilhäuser in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielen müssten. Diese Einrichtungen könnten als Treffpunkte dienen, um das nachbarschaftliche Leben zu fördern.
Besonders in Zeiten der Altersarmut seien solche Orte unverzichtbar. „Wer kann sich den 70. Geburtstag im Restaurant noch leisten mit der ganzen Familie und Freunden?“, fragte Keip rhetorisch. Bürgerhäuser böten eine kostengünstige Alternative für gemeinsame Feiern und stärkten so den sozialen Zusammenhalt.
Stadt als Ort des Miteinanders
Keip betonte, dass eine Stadt mehr sein müsse als nur ein Wohnort. „Eine Stadt ist nicht einfach nur der Ort zum Wohnen, der die Hülle und den Rahmen gibt, sondern dass es auch ein Ort des Miteinanders ist, an dem man mitwirken kann.“ Der Oberbürgermeister plant, die Bürgerbeteiligung zu intensivieren und insbesondere Jugendliche stärker in kommunale Prozesse einzubinden.
Er kündigte an, persönlich in Schulen zu gehen, um mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. „Denn unser Auftrag aus der Kommunalverfassung ist ja, Kinder und Jugendliche frühzeitig an den Prozessen, die sie betreffen, auch zu beteiligen.“ Diese frühzeitige Einbindung sei entscheidend für eine lebendige Stadtgesellschaft.
Verantwortung für Infrastruktur und Kultur
Gleichzeitig verwies Keip auf die klassischen Aufgaben einer Kommune. Die Bürger hätten zu Recht die Erwartung, dass sich die Stadt um Theater, Schwimmbäder, Sportanlagen, Arbeitsplätze und Infrastruktur kümmere. Als Oberbürgermeister dürfe man sich nicht aus der Verantwortung stehlen, selbst wenn andere Behörden formal zuständig seien. „Man darf nicht versuchen, die Verantwortung einfach wegzuschieben und sich wegducken.“
Persönliches Profil des Rathauschefs
Daniel Keip löst den CDU-Politiker Steffen Scheller an der Spitze der kreisfreien Stadt ab. Der Verwaltungswissenschaftler, der in Tübingen studierte, ist in seiner Freizeit leidenschaftlicher Ruderer und Radfahrer. Mit stolzen elf Fahrrädern in seiner Sammlung bevorzugt er für den kurzen Weg vom Wohnhaus zum spätgotischen Backstein-Rathaus am Marktplatz jedoch das Zufußgehen.
Sein Amtsantritt markiert einen Wechsel in der Stadtpolitik, bei dem soziale Themen und bürgernahe Projekte im Mittelpunkt stehen sollen. Keips Forderung nach mehr Begegnungsorten ist ein deutliches Signal gegen die Tendenz zur Vereinsamung in der digitalen Welt.



