Demmin vor historischer Entscheidung: Zukunft der Gutshaus-Ruine auf dem Prüfstand
In dieser Woche steht die Stadtvertretung von Demmin vor einer wegweisenden Entscheidung: Soll die historische Ruine des Gutshauses Demmin durch eine Notsicherung vor dem endgültigen Verfall bewahrt werden, oder droht dem maroden Gebäude der Einsturz? Die Debatte über den Umgang mit dem denkmalgeschützten Bauwerk beschäftigt die Ausschüsse der Hansestadt seit Wochen und spaltet die politischen Fraktionen.
Besorgniserregender Zustand erfordert dringendes Handeln
Die Ruine des Gutshauses Demmin, das 1997 durch einen Brand zerstört wurde und 2003 notgesichert worden war, befindet sich mittlerweile in einem äußerst kritischen Zustand. Defekte Fallrohre, zunehmend aus der Senkrechte geratende Wände und tiefe Risse im Mauerwerk kennzeichnen das Bild. Experten warnen eindringlich: Ohne zeitnahe Sicherungsmaßnahmen droht der vollständige Einsturz der historischen Substanz. Das Bauamt der Stadt hat bereits auf die Verkehrssicherungspflicht der Kommune hingewiesen und Vorbereitungen für eine mögliche Notsicherung getroffen.
Ausschüsse ringen um Lösungswege
In den vergangenen Wochen haben sich die verschiedenen Ausschüsse der Stadtvertretung intensiv mit der Zukunft der Ruine befasst:
- Der Finanzausschuss, der grundsätzlich nichtöffentlich tagt, hat sich gegen weitere Investitionen ausgesprochen.
- Der Ausschuss für Stadtentwicklung debattierte in zwei Sitzungen über das Thema und beschloss zunächst, weitere Fakten einzuholen.
- In einer nichtöffentlichen Sitzung am 11. März informierten Dr. Jan Schirmer vom Landesamt für Denkmalpflege und Christopher Schalinski von der unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte über die rechtliche Lage, Fördermöglichkeiten und den aktuellen Zustand.
Historische Bedeutung des Standorts
Das sogenannte „Haus Demmin“ befindet sich südlich der Stadt am Zusammenfluss von Tollense und Peene auf einer Halbinsel, die von den Resten einer historischen Wallanlage umgeben ist. Die Geschichte des Standorts reicht bis ins frühe Mittelalter zurück:
- Im 15. Jahrhundert siedelten sich die von Podewils an diesem Ort an.
- Die ursprüngliche Burganlage wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstützt.
- Das heutige Gutshaus entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
- Seit 1881 befand es sich im Besitz der Familie von Rohr.
- Nach Enteignung 1945 diente das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft und später als Internat.
- 1991 erwarb die Familie von Rohr das Anwesen zurück, bevor es 1997 niederbrannte.
Vorschlag der Stadtverwaltung
Die Stadtverwaltung schlägt der Stadtvertretung vor, die zwingend erforderlichen Sicherungsarbeiten unter bestimmten Bedingungen durchführen zu lassen:
- Vorbehaltlich der Gewährung einer 50-prozentigen Landesförderung
- Entsprechende Mittel sind bereits im städtischen Haushalt eingestellt
- Der Bürgermeister soll beauftragt werden, mit dem Parlamentarischen Staatssekretär für Vorpommern und das östliche Mecklenburg sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu verhandeln, um weitere Drittmittel zur Senkung des städtischen Eigenanteils einzuwerben
Das Landesamt für Denkmalschutz betont, dass auch die Ruine weiterhin Denkmalwert besitzt und ein Abrissantrag daher keine Aussicht auf Erfolg hätte. Die Entscheidung der Stadtvertreter am 18. März wird somit nicht nur über das Schicksal eines historischen Gebäudes, sondern auch über den Umgang der Stadt mit ihrem kulturellen Erbe entscheiden.



